Das Leben Jesu (1795)

[S. 221]

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Was ihr wollen könnt, daß als allgemeines Gesez unter den Menschen, auch gegen euch gelte, nach einer solchen Maxime handelt – diß ist das Grundgesez der Sittlichkeit – der Innhalt aller Gesezgebungen, und der heiligen Bücher aller Völker – Gehet durch diese Pforte des Rechts ein in den Tempel der Tugend, diese Pforte ist zwar eng, der Weg dahin gefahrvoll, und eurer Gefährten werden wenige seyn, desto gesuchter ist der Pallast des Laster und Verderbens, – dessen Thore weit, und dessen Strasse eben ist. Nehmt euch auf dem Wege, besonders in Acht für falschen Lehrern, die mit der sanftmüthigen Mine eines Lammes sich euch nähern, und darunter die Begierden reißender Wölfe verbergen – Ihr habt ein sicheres Merkmal, durch ihre Verstellung leicht durchzudringen – beurtheilt sie nach ihren Werken – man liest ja doch nicht Trauben von Dornbüschen, oder Feigen von Disteln ? Jeder gute Baum trägt gute und der schlechte Baum – schlechte Früchte – der ist doch [Luc. 6,43.] kein guter Baum, der schlechte Früchte trägt, und der kein fauler, der gute Früchte trägt. An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen – Aus dem Reichtum eines [Luc. 6,45.] guten Herzen quillt gutes, aus der Fülle eines schlechten Herzens quillt schlechtes hervor. Nicht durch Worte der Frömmigkeit last euch taüschen – Nicht jeder, der zu Gott ruft, der ihm Gebete und Opfer darbringt, ist ein Glied seines Reichs, sondern nur der, der den Willen Gottes thut, welcher dem Menschen in dem Geseze seiner Vernunft angekündigt ist – Viele werden in der Ewigkeit vor dem Weltrichter sagen, Herr, Herr, wenn wir Wunder thaten, wenn wir böse Geister austrieben, und sonst grosse Dinge verrichteten, haben wir nicht deinen Namen dabei gebraucht, dich dabei gepriesen, dir dafür, als deinen Werken gedankt – dann wird ihnen geantwortet werden: Was sollen eure Wunder, Weissagungen, oder grosse Thaten, war es darum zu thun ? – Gott erkennt euch nicht als die seinigen, – ihr seyd

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