Das Leben Jesu (1795)

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|235| der bleibt seinem besserm Ich getreu und rettet es aus dem Zwange der Natur – welcher Werth bliebe dem Menschen, dem die ganze Welt zur Beute würde, und [der] sein Selbst darüber erniedrigte ? welchen Preis gäb es, der eine Entschädigung für die verlorne Tugend wäre ? Einst wird der unterdrükte in Herrlichkeit glänzen, und die in ihre Rechte eingesezte Vernunft wird selbst jedem den Lohn seiner Thaten bestimmen.

Nach längern Aufenthalt in Jerusalem als Jesus sonst machte (denn er blieb vom [Joh. 10,22.] Lauberhüttenfest bis zum Fest der Tempelweihe im Dezember) kehrte Jesus – und zwar zum lezten male nach der Gegend, die der gewöhnliche Schauplaz seines Lebens war, [Matth. 17,22.] nach Galiläa zurük, in dieser Zeit seines dortigen Aufenthalts scheint er nicht mehr [Marc. 9,30.] wie vorhin, vor einer grossen Volksmenge gelehrt, sondern sich vorzüglich mit der Bildung seiner Jünger beschäftigt zu haben –

[17,24-27.] In Kapernaum foderte man [von] ihm die jährliche Steuer zum Besten des Tem- Matth. pels. Was, meinst du, Petrus, sagte er zu diesem, als er mit ihm ins Haus tratt, die Könige der Erde fodern Steuern ein, etwa von ihren Söhnen, oder von andern? Von andern, sagte Petrus – So wären also die Söhne frei, erwiederte Jesus, und wir, die Gott im wahren Geiste des Wortes, verehren, brauchten nichts zur Erhaltung eines Tempels beizutragen, dessen wir nicht bedürfen, um Gott zu dienen, denn wir suchen diß durch einen guten Lebenswandel zu thun – doch damit sie kein Ärgernis nehmen, und wir keine Verachtung desjenigen zeigen, was ihnen so heilig ist – so bezahle für uns.

[Luc. 9,46-50.] Unter den Jüngern Jesu entstand ein Streit über den Rang, der einem jedem gebührte, besonders im Reiche Gottes wenn es einst erscheinen sollte, indem sie damit noch sehr sinnliche Ideen verbanden, von dem jüdischen Sinne eines weltlichen Reiches noch nicht ganz frei waren, noch nicht sich die Idee des Reichs Gottes als einen Reichs des Guten, worin Vernunft und Gesez allein gebieten, rein dachten – Jesus hörte mit Wehmuth diesen Streit, rief dann ein Kind, und sagte ihnen, Wenn ihr euch nicht ändert, und zu der Unschuld, zu der Einfalt, und Anspruchlosigkeit, die dieses Kind hat, zurükkehrt, so seyd ihr wahrlich nicht Bürger

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