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|236| des Reiches Gottes – wer sich gegen andre selbst gegen ein solches Kind fühlt, und sich gegen sie etwas herausnehmen oder sie gleichgültig behandeln zu dürfen glaubt, der ist ein unwürdiger – wer aber die Heiligkeit der Unschuld beleidigt, und ihrer Reinheit wehe thut, dem wäre es besser, man hienge ihm einen Mühlstein an [den] Hals, und ersaüfte ihn im Meere – In der Welt wird es freilich immer nie an Verlezungen einer reinen Gesinnung fehlen, aber wehe dem Menschen, der einer solchen Ärgerniß gibt – Sehet euch wohl für – niemand am wenigsten Einfalt des Herzens zu verachten, es ist die zarteste, die edelste Blüthe der Menschheit – das reinste Ebenbild der Gottheit, sie allein gibt einen und zwar den höchsten Rang, diese Einfalt ist es werth, daß ihr alles aufgeopfert werde, was eure liebste Neigungen sind, jede Regung von Eitelkeit und Ehrgeiz, oder von falscher Schaam, alle die Rüksichten von Nuzen oder Vortheil – wenn ihr derselben nachstrebt, wenn ihr die Würde, zu der jeder Mensch bestimmt, und deren jeder fähig ist, zu schäzen wist, und endlich bedenkt, daß nicht allen Baümen eine Rinde wachsen könne, sondern daß wer in dem, was der Menschheit Noth thut, nur nicht wider euch ist, im übrigen aber was gleichgültig ist, andre Sitten, andre Manieren hat, daß der für euch ist, – so wird euch keine Eitelkeit, keine Überhebung über andre anwandeln – Wo ihr aber wirklich etwas verloren glaubt, da gebt euch Mühe, statt es zu verachten, es zu bessern, den Menschen auf den Weg der Tugend zu leiten. Was meint ihr wird nicht der Hirt, dem von 100 Schaafen eins sich verirrt hat, die Gebirge durchstreifen um diß verirrte zu suchen, und wenn er das Glük hat es zu finden, so wird seine Freude über dasselbe grösser seyn, als über die 99, die sich nicht verirrten –
Wenn aber ein Mensch sich gegen dich verfehlt, so suche es zwischen ihm und dir auszumachen, bringe ihn zur Erklärung, und verständige dich mit ihm, hört er dich an, so ist es dein Fehler, wenn du dich nicht mit ihm verständigen kannst – hört er dich nicht an, so nehme noch einen oder zwei mit dir, um das Misverständnis zu heben, gelingt auch das nicht, so unterwerfe euren Streit dem Urtheil mehrerer
