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|256| das leztere aber ward ausgemacht, bis nach dem Feste zu verschieben; weil sie fürchteten, seine während dieser Zeit anwesende Landsleute, die Galiläer möchten [Joh. 11,56.57.] etwa einen Versuch machen, Jesum zu befreien; es wurde daher die Veranstaltung von dem hohen Rath gemacht, daß es ihm sogleich angezeigt würde, wenn Jesus im Tempel bemerkt würde, und diejenigen die diesen Auftrag hatten, waren in den ersten Tagen des Festes verlegen, als sie in diesen Jesum nirgends sahen –
Sechs Tage nach jenem Mahle ging Jesus nach Jerusalem selbst; als er die Stadt zu Gesicht bekam, tratten ihm Thränen in die Augen: Ach, sagte er, wenn du es einsähest, was zu deinem Wohl diente! so aber ist es dir verborgen – denn euer Stolz – eure Hartnäkigkeit in euren Vorurtheilen, eure Intoleranz, werden eure Feinde gegen euch reizen, und werden euch umlagern, und an allen Orten ängstigen, bis euer Staat, eure Verfassung – der Gegenstand eures Stolzes, – zernichtet, und ihr unter seinen Ruinen begraben werdet – ohne das Gefühl, ohne den Ruhm zu haben, in einer edlen Vertheidigung einer guten, einer grossen Sache – gestorben zu seyn!
Jesus ritt nach Art der Morgenländer auf einem Esel, eine Menge Volkes, die ihn kannte, kam ihm entgegen und begleitete ihn, mit Oehlzweigen in der Hand, und unter den Jubelgesängen desselben zog er in die Stadt –
[Matth. 21,17.] Jesus blieb nicht in Jerusalem sondern in Bethanien über Nacht, kehrte aber des Morgens dorthin wieder zurük, zeigte sich öffentlich im Tempel, und lehrte – Seine [Luc. 20,] Feinde suchten ihn durch verfängliche Fragen zu veranlassen, eine Blösse zu geben, um theils einen Vor wand, ihn anzuklagen, zu finden, theils ihn bei dem Volk verhast zu machen, wegen dessen sie nicht ruhig waren, besonders hatte der grosse Zulauf bei seiner Ankunft in der Stadt ihre Besorgnisse noch vermehrt – So fragten sie ihn einmal, als er vor einer grossen Menge Zuhörer im Tempel saß, aus welcher Vollmacht er diß Amt, öffentlich zu lehren, verrichte – Jesus sagte, laßt mich eine Gegenfrage an euch thun, die Beweggründe des Johannes öffentlich zu lehren, waren sie Eifer für Wahrheit, und Tugend, oder hatte er selbstsüchtige Absichten dabei? – Diejenigen die ihn gefragt hatten, dachten, antworten wir, das erstere, so fragt uns Jesus wieder, warum habt ihr ihm nicht Gehör gegeben; antworten wir das leztere, so bringen wir das Volk gegen uns auf – sie antworteten also, sie wissen es nicht;
