Das Leben Jesu (1795)

[S. 255]

|255| Auch hier (Jesus war izt in Jericho etwa 6 Stunden von Jerusalem) zeigten wieder Pharisäer ihre Misbilligung, daß Jesus in dem Hause eines Zöllners einkehrte; er hieß Zachäus; um Jesum, dem Zachäus sich wegen der Menge Menschen nicht nähern konnte, und weil er von Person sehr klein war, zu sehen, war er auf einen Baum gestiegen, und war von der Ehre überrascht, daß Jesus sein Haus zum Ausruhen wählte; Da er denken konnte, welche Begriffe sich Jesus von seinem Charakter aus seinem bisherigen Amte machen würde, und es fühlte, daß er ihm in einem nachtheiligen Lichte erscheinen müste, so machte er Jesum mit der Verbesserung seiner vormahligen Denkungsart bekannt, und sagte ihm: von meinem erworbenen Vermögen gebe ich die Hälfte den Armen, und wen ich übervortheilt habe, dem er[seze] ich den Schaden vierfach – Jesus bezeugte ihm sein Gefallen über diese Rükkehr zur Rechtschaffenheit – und daß seine Absicht auf der Erde sei, die Menschen auf diesen Weg zu führen –

[Joh. 11,54.] Das Passahfest war izt wieder eingefallen, und die meisten Juden hatten sich deswegen schon in Jerusalem eingefunden – Jesus hielt sich noch einige Tage in der Nähe von Jerusalem auf, in einer Stadt Nahmens Ephraim, und besonders zu Bethanien; [Joh. 12.] bei einem Gastmahl, das ihm hier gegeben wurde, war auch ein Frauenzimmer, Maria, eine Freundin Jesu zugegen – sie salbte seine Füsse mit einem kostbaren Balsam; und troknete sie mit ihren Haaren; ein Apostel Jesu, Judas, der das Geld der Gesellschaft verwaltete, bemerkte darüber, man hätte dise Salbe besser anwenden können, wenn man sie verkauft und das Geld den Armen ausgetheilt hätte. Judas hatte gehoft, diß Geld alsdenn in seinen Beutel zu bekommen, und bei der Vertheilung desselben unter die Arme würde er sich nicht vergessen haben – Jesus gab ihm aber die Weisung, er würde durch seinen Tadel dem Herzen der Maria nicht wehe gethan haben, wenn er den Ausdruk ihrer Freundschaft in ihrer Handlung empfunden hätte – die dem ähnlich seye, wenn man den Todten seine Liebe durch Einbalsamiren zeige – Seine vorgegebene Mildthätigkeit gegen Arme werde er sonst jederzeit Gelegenheit haben, zu zeigen –

[Matth. 26,3.] Indessen hatte der hohe Rath von Jerusalem, der erwartete, Jesus werde, wie jeder Jude, auf das Fest kommen, den Beschluß gefast, Jesum bei dieser Gelegenheit gefangen zu nehmen, und dann es dahin zu bringen, daß er am Leben gestraft würde,

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