Das Leben Jesu (1795)

[S. 248]

|248| aber befahl seinen Knechten, den besten Rok zu hohlen, und ihm Schuhe zu geben; und schlachtet das gemästete Kalb, wir wollen alle uns gütlich thun, denn mein Sohn, der für mich todt war, ist ins Leben zurükgekehrt; er war verlohren, und ist wieder gefunden – Indessen kehrte der ältere Sohn vom Felde zurük, als er sich dem Hause näherte, hörte er die laute Freude, und fragte was es gäbe ? da ein Knecht es ihm sagte, ward er unwillig darüber, und wollte nicht ins Haus gehen — Der Vater kam heraus, und machte ihm Vorstellungen — der Sohn wollte nichts davon hören, solange bin ich bei dir, arbeite dir, befolge überall deinen Willen, und du hast mir noch nie es angeboten, mir mit meinen Freunden eine Freude zu machen; und dieser Sohn, der sein Vermögen mit liederlichen Weibern verpraste, kommt, und du stellst ihm Feste an! Mein Sohn, sagte der Vater, du bist immer bei mir, es gebricht dir an nichts, all das meinige ist dein; du solltest dich freuen, und guter Dinge seyn, daß dein Bruder, der verlohren war, sich wieder gefast hat, – den wir auf gegeben hatten, wieder genesen ist –

[Luc. 16. 15] Bei einer andern Veranlassung, die uns aber unbekannt ist, erzählte Jesus seinen Freunden folgende Geschichte – Ein reicher Mann hatte einen Verwalter, dieser wurde bei ihm angegeben, als ein Verschwender des ihm anvertrauten Vermögens; der Herr ließ ihn rufen, und sagte ihm: Was höre ich von dir ? Lege mir Rechnung von deiner Verwaltung ab, denn du kanst dein Amt nicht länger behalten – Dieser überlegte jezt, was zu machen sey; sein Amt verliere er, zum taglöhnen habe er nicht Kraft, und zu bettlen schäme er sich, – endlich fiel ihm ein Mittel ein – sich aus der Verlegenheit [zu ziehen,] nemlich die Schuldner seines Herrn sich zu Freunden zu machen, damit, wenn er seinen Posten verlassen, sie ihn aufnehmen ; [er] lies einen nach dem andern, kommen, und den einen der 100 Tonnen Oels schuldig lies er eine andre Schuldverschreibung machen, worin die Schuld nur auf 50 Tonnen angegeben war – einen andern ließ er seine Schuld von 100 Malter Waizen auf 80 herabsezen, und so machte ers auch mit den übrigen — Der Herr muste als er es nachher erfuhr, dem ungetreuen Verwalter, wenigstens das Zeugniß der Klugheit geben — an welcher die guten Menschen meistens von den bösen übertroffen werden, da der leztern Klugheit sich kein Gewissen daraus macht, die Ehrlichkeit zu verlezen – Ich nehme aus der erzählten Geschichte für euch den Rath, daß eure Klugheit

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