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|241| Solche Verweise, die Jesus oft noch mit stärkern Ausdrüken an die Pharisäer und Gesezgelehrte – in deren Händen die Regierung des Landes war, – und gegen ihre geheiligten Gebraüche richtete, trugen immer mehr bei, sie zu erbittern, und den Endschluß in ihnen zur Reife zu bringen, eine Anklage gegen ihn anhängig zu machen.
[Luc. 12.] Vor einer grossen Menge Volks sprach er noch dringender von der Gefahr, sich von dem Geist der Pharisäer ansteken zu lassen. Nehmet euch in Acht, sagte er, vor dem Sauerteige der Pharisäer, der unbemerkbar für sich, auch das aüssere des Ganzen nicht verändert, ihm aber doch einen völlig andern Geschmak gibt – ich meine vor der Heuchelei! Diese Verstellung wird das Auge des Allsehenden nicht betrügen – vor ihm liegt die Gesinnung des Herzens offen, man mag sie noch so sehr verbergen – er der allwissende braucht allein die Menschen nicht nach ihren Thaten, den aüssern, für Menschen oft trüglichen Erscheinungen ihres Charakters zu richten, sondern richtet nach der innern Güte des Willens. Ich sage euch, meine Freunde, fürchtet euch doch nicht vor Menschen, die doch nur den Körper tödten können, deren Macht sich ja weiter nicht erstrekt – fürchtet euch aber dafür, die Würde eures Geistes zu erniedrigen – und damit vor der Vernunft und vor der Gottheit, als des Verlusts der Glükseeligkeit würdig erklärt zu werden. Aus Menschenfurcht aber es nicht zu wagen, die Grundsäze der Wahrheit und Tugend in Handlungen auszudrükken – oder sie durch Reden zu bekennen ist eine verächtliche Heuchelei – Von mir, oder einem andern Lehrer der Tugend, übel zu sprechen ist noch eine verzeihliche Sache – Wer aber den heiligen Geist der Tugend selbst lästert, der ist ein Verworfener. – Habt dabei nicht kindische Angst, ihr möchtet in Verlegenheit kommen, wenn man euch vor Gerichten, oder in Lehrsälen über euer freies Bekenntnis des Guten zu Rede stellt, vom Geiste der Tugend beseelt wird es euch weder an Muth, noch an Worten fehlen, sie zu vertheidigen –
Einer aus der anwesenden Menge tratt zu Jesu, und ersuchte ihn, in Hofnung, das Ansehen Jesu werde mehr ausrichten als er, – seinen Bruder zu bewegen, sein Erbgut mit ihm zu theilen. Jesus gab ihm aber den Bescheid: Wer hat mich zum Richter
