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|260| Jesum, welches der höchste Grundsaz der Sittenlehre sey, Jesus antwortete ihm: Es ist Ein Gott, und diesen sollt du von ganzem Herzen lieben, und ihm deinen Willen, deine ganze Seele, alle deine Kräfte weihn, diß ist das erste Gebot; das zweite ist diesem an Verbindlichkeit ganz gleich, und lautet so: liebe jeden Menschen, als wenn er du selbst wäre; ein höheres Gebot gibt es nicht – Der Pharisäer bewunderte die Vortreflichkeit dieser Antwort, und erwiederte – Du hast der Wahrheit gemäß geantwortet – Gott seine ganze Seele weihn, und den Nächsten als sich selbst lieben ist mehr als alle Opfer und Raücherungen! Jesum freute die gute Gesinnung des Mannes, und sagte ihm: in dieser Gesinnung bist du nicht weit entfernt, ein Bürger des Reiches Gottes zu seyn, wo nicht durch Opfer oder Abbüssungen, oder Lippendienst, oder Entsagung der Vernunft um seine Gunst geworben werden soll –
[Luc. 21,1-] In einem Theile des Tempels war eine Büchse aufgestellt, wo man die Geschenke für den Tempel einlegte – Jesus beobachtete unter denen, die ihren Beitrag gaben, neben den Reichen, die grosse Summen steuerten, auch eine arme Wittwe, die 2 Heller einlegte – er sagte darüber: Diese hat mehr eingelegt, als alle andern; denn alle haben aus ihrem Überfluß gegeben, diese aber gab in diesem wenigen ihr ganzes Vermögen.
[Matth. 23.] Auf Veranlassung von diesen Versuchen der Pharisäer gegen Jesum nahm er Gelegenheit, das Volk und seine Freunde für den Pharisäern zu warnen – Die Pharisäer und Gesezgelehrten haben sich, sagte er, auf den Stuhl des Moses gesezt – die Geseze nun, die sie euch gebieten zu halten, die haltet; aber ihrem Beispiele, ihrer Handlungsweise folget nicht – denn sie handhaben zwar die Geseze des Moses, aber sie selbst halten sie nicht – Ihre Handlungen haben allein den Zwek, sich vor den Menschen einen aüssern Schein der Rechtschaffenheit zu geben –
Ihr verzehrt das Gut der Wittwen, und thut euch gütlich bei ihnen, unter dem Vorwand, mit ihnen zu beten – Ihr gleicht übertünchten Gräbern, deren aüsseres bemahlt ist, und in deren innerem die Verwesung haust; aüsserlich gebt ihr euch den Schein der Heiligkeit, euer inneres ist Heuchelei, und Ungerechtigkeit – Er faste noch manche Züge zusammen, die er einzeln bei den Gelegenheiten, die sich angebotten hatten, schon an ihnen gerügt hatte.
