Das Leben Jesu (1795)

[S. 237]

|237| Schiedsrichter – Beut [er] euch dann die Hand nicht zur Versöhnung und du hast von deiner Seite alles gethan, so flieh ihn, und habe nichts mehr mit ihm zu schaffen – Beleidigungen, und Unrecht, die Menschen einander verziehen und wieder gutgemacht, ersezt haben, sind auch im Himmel verziehen – wenn ihr so im Geist der Liebe und Versöhnlichkeit beisammen seid, da ist der Geist unter euch, mit dem ich euch zu beleben wünschte –

[Matth. 18,23-35] Petrus fragte hierauf Jesum: Wie oft muß ich einem Menschen vergeben, der mich beleidigt, oder mir Unrecht thut, etwas bis auf 7mal? Glaubst du etwa, diß sei oft? Ich sage dir, versezte Jesus, bis auf 70 mal 7male: Höret eine Geschichte: Ein Fürst wollte Rechnung halten, mit seinen Dienern, bei einem fand er eine Schuld von 10000 Talenten, da er diese Summe nun nicht hatte, so hieß er ihn alles, was er sein Eigenthum nennen könne, selbst Frau und Kinder als Sklaven zu verkaufen, und zu bezahlen. Der Diener fiel ihm zu Füße, flehte um Geduld, und um Frist, er wolle noch alles bezahlen, der Herr fühlte Mitleiden mit seiner Lage, und erlies ihm die ganze Schuld – Als dieser Diener von seinem Herrn weggieng, traf [er] einen seiner Mitdiener an, der ihm 100 Denarien (eine Summe gegen die obre, wie 1 zu mehr als einer Million) schuldig war, er fuhr ihn an, und verlangte ungestüm die Bezahlung der Schuld, hörte nicht auf das fußfällige Flehen des andern um Geduld, sondern lies ihn ins Gefängnis sezen, bis das Ganze abbezahlt sei — Die andern Diener, die diß mit ansahen, betrübte diese Behandlung aufs aüsserste, und meldeten es dem Fürsten – dieser lies den harten Mann zu sich kommen, und sagte ihm – Hartherziger, auf deine Bitten hab ich dir deine grosse Schuld erlassen; hättest du nicht dich des andern erbarmen sollen, wie ich mit dir Mitleiden hatte ? Hinweg mit ihm, und der Fürst befahl, ihn im Gefängnis zu behalten, bis er alles würde abgetragen haben – In diesem Bilde seht ihr, daß Versöhnlichkeit ein Kennzeichen einer gereinigten Gesinnung ist, welche allein von der heiligen Gottheit für die oft mangelhafte That als vollgültig angenommen wird, welche die einzige Bedingung ist, unter welcher ihr hoffen könnt, von der ewigen Gerechtigkeit Freiheit von Straffe zu erhalten, die euer vorheriger Lebenswandel verdiente, — die Bedingung, durch Sinnesänderung andre Menschen zu werden

[Luc. 9,51.] Jesus entschloß sich izt wieder nach Jerusalem zurükzugehen, und zwar den Weg durch Samaria zu nehmen, er schikte einige von seiner Gesellschaft voraus, um in

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