Das Leben Jesu (1795)

[S. 209]

|209| Jesum zu wenden, um von ihm sich belehren zu lassen – bezeugte auch nachher seine [Joh. 3,27.] Freude darüber, als er hörte, daß Jesus soviele Zuhörer finde, und so viele taufe (doch taufte er selbst nicht sondern nur seine Freunde)

[Matth. 14.] Johannes wurde zulezt das Opfer der beleidigten Eitelkeit des Herodes, des Fürsten jener Gegenden, und eines Weibes – er hatte nemlich dessen Umgang mit Herodias, der Schwägerin des Herodes getadelt, und wurde deswegen von ihm ins Gefängnis gesezt; doch wagte es Herodes [nicht] ihn ganz aus dem Wege zu schaffen, weil das Volk ihn für einen Propheten hielt – Als er einst an seinem Geburtstag ein glänzendes Fest gab, und eine Tochter jener Herodias ihre Talente im Tanzen zeigte, so wurde Herodes dadurch so entzükt, daß er ihr erlaubte sich eine Gnade von ihm auszubitten, und wenn es die Hälfte seines Reiches wäre; er würde sie ihr gewähren; die Mutter, deren beleidigte Eitelkeit ihre Rache gegen Johannes bisher hatte zurükhalten müssen, gab ihrer Tochter an, sich den Tod des Johannes auszubitten – Herodes hatte nicht den Muth zu glauben, und es vor den Gästen zu bezeugen, daß in seinem gegebenen Wort kein Verbrechen mitbegriffen sei – und der Kopf des Johannes wurde dem Kinde in einer Schüssel überreicht, die ihn ihrer Mutter brachte – Seinen Körper begruben seine Jünger.

[Luc. 4.] Ausser diesem sind aus dieser Periode seines Lebens nur noch einige schwache Züge [Matth. 4.] von dem Gang der Entwiklung seines Geistes auf die Nachwelt gekommen –

In den Stunden seines Nachdenkens in der Einsamkeit kam ihm einst der Gedanke, ob es nicht der Mühe verlohnte, durch Studium der Natur und vielleicht durch Verbindung mit höhern Geistern es soweit zu bringen zu suchen, unedlere Stoffe in edlere, für den Menschen unmittelbarer brauchbare zu verwandeln, etwa wie Steine in Brod,3) aber er wies diesen Gedanken ab, durch die Betrachtung der Schranken, die die Natur dem Menschen in seiner Macht über sie gesezt hat, – durch die Betrachtung, daß es selbst unter der Würde des Menschen ist, nach einer solchen Macht zu streben, da er in sich eine über die Natur erhabene Kraft besizt, deren Ausbildung und Erhöhung die wahre Bestimmung seines Lebens ist –

3) Am Rande: oder sich von der Natur überhaupt unabhängiger zu machen – (herunterstürzen

Ein anders mal ging auch vor seiner Einbildungskraft alles das vorüber, was unter den Menschen für groß, für würdig gehalten wird, der Gegenstand der Thätigkeit

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