Das Leben Jesu (1795)

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|250| meinem Schiksal belehre, und sie warne, nicht auch ein solches zu verdienen. Sie haben in ihrer Vernunft ein Gesez, und die Lehren guter Menschen, die sollen sie hören – Diß ist nicht hinreichend für sie, sagte der Unglükliche – aber wenn ein Todter aus seiner Gruft ihnen erschiene, so würden sie wohl sich bessern. Dem Menschen, versezte Abraham, ist das Gesez seiner Vernunft gegeben, weder von Himmel noch aus dem Grabe kan ihm eine andere Belehrung zukommen, denn eine solche wäre dem Geist jenes Gesezes gänzlich zuwider, welches eine freie, nicht durch Furcht, erzwungene, knechtische Unterwerfung verlangt.

Bei einer andern gleichfalls unbekannten Veranlassung, machten die Freunde Jesu die sonderbare Bitte an ihn, ihren Muth und Standhaftigkeit zu stärken, – Jesus gab ihnen zur Antwort, Diß kan allein, der Gedanke an eure Pflicht thun und an das grosse Ziel der Bestimmung, das dem Menschen gesezt ist; so werdet [ihr] nie am Ende eurer Arbeit zu seyn, und izt zum Genuß euch berechtigt zu seyn glauben – Wenn ein Knecht vom Felde heimkommt, so wird sein Herr ihm nicht sagen, gehe izt, und thue dir gütlich, sondern mach’ izt mein Essen fertig, und bediene mich dabei, dann kanst auch du essen, und wenn der Knecht diß gethan hat, so wird er ihm nicht Dank dafür schuldig zu seyn glauben – So auch ihr, wenn ihr gethan, was ihr solltet, so denkt nicht, wir haben etwas übriges gethan, die Zeit der Arbeit ist izt vorbei, und die Zeit des Genußes muß izt eintretten, sondern, wir haben nichts gethan, als was unsre Schuldigkeit war.

Ein anders mal fragten Pharisäer, die ihre sinnliche Vorstellung vom Reiche Gottes nicht ablegen konnten, Jesum, der diese Idee oft im Munde führte: wann dann das Reich Gottes komme? Jesus antwortete ihnen: Das Reich Gottes zeigt sich nicht durch Gepräng, oder aüsserliche Gebährden. Man kan auch nie sagen, sieh hie ist es, oder dort ist es, denn siehe das Reich Gottes muß inwendig in euch errichtet werden. Er wandte sich hierauf zu seinen Jüngern: Ihr werdet oft auch wünschen, das Reich Gottes auf Erden errichtet zu sehen; oft wird man euch sagen, hier oder dort gibt [es] eine solche glükliche Verbrüderung von Menschen unter Tugendgesezen – Lauft solchen Vorspieglungen nicht nach; hoft das Reich Gottes nicht in einer aüssern glänzenden Vereinigung von Menschen zu sehen – etwa in einer aüssern Form eines

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