Das Leben Jesu (1795)

[S. 270]

|270| Ruhe, laß das, und ehre das Schiksal, das die Gottheit mir bestimmt – Die übrigen Freunde Jesu flohen, und zerstreuten sich – als sie sahen, daß die Schaar sich Jesu bemächtigt und ihn gebunden hatte, und izt wegführte; ausser ein Jüngling vom Schlaf aufgeschrekt, der in der Eile nichts als einen Mantel um sich geworfen hatte, wollte Jesu folgen, wurde aber von den Soldaten ergriffen, und rettete sich dadurch, daß er ihnen entschlüpfte, und den Mantel in den Händen ließ. Im Gehen sagte Jesus zu seinen Führern, ihr kommt zu mir gewafnet, mich wie einen Raüber zu pakken – und doch saß ich alle Tage unter euch öffentlich im Tempel, und ihr ergrift mich nicht – Aber die Mitternacht ist eure Stunde, und die Finsterniß euer Element.

Jesus wurde zuerst zu Hannas, dem alten Hohepriester und Schwiegervater des Kaiphas, und dann zu dem leztern, der dieses Jahr Hohepriester war, geführt, wo der ganze hohe Rath von Jerusalem versammelt den Gefangenen erwartete, und wo Kaiphas die Maxime eingeschärft hatte, Einen zum Besten des ganzen Volks aufzuopfern sei Pflicht. Petrus war nur von ferne den Häschern gefolgt, und hätte es nicht gewagt, in den Pallast selbst einzutretten, wenn nicht Johannes, der mit dem Hohepriester wohl bekannt war, und freien Zutritt in seinem Hause hatte, der Thürhüterin gesagt hätte, den Petrus auch einzulassen; diese machte die Anmerkung gegen den leztern: bist du nicht auch einer von den Anhängern dieses Mannes? Petrus leugnete diß geradezu und stellte sich an das Kohlfeuer unter die Gerichtsdiener und Knechte, um sich da, wie sie, zu wärmen.

Der Hohepriester, vor dem izt Jesus stand, that verschiedene Fragen an ihn, die seine Lehre, und seine Schüler betrafen. Jesus antwortete hierauf, Ich habe frei und öffentlich vor jedermann geredt, ich habe im Tempel, und in den Synagogen gelehrt, wo die Juden alle hinzugehen pflegen, ich habe keine geheime Lehren; warum fragst du also mich ? frage die, die mich gehört haben, um was ich lehrte, es werden alle es dir sagen können. Einem der Häscher schien diese Antwort Jesu gegen den Hohepriester unbescheiden – so antwortest du dem Hohepriester! sagte er, und gab ihm einen Schlag. Jesus sagte mit ruhiger Fassung zu ihm: habe ich nicht recht geantwortet, so sage mir den Fehler; habe ich aber gut geantwortet, warum schlägst du

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