Das Leben Jesu (1795)

[S. 274]

|274| [gegen] bürgerliche Geseze betreffe, noch dabei für die Sicherheit des Staats Gefahr sei. Er verlies Jesum und ging hinaus zu den Juden und sagte ihnen, er finde keine Schuld an dem Menschen. Diese wiederhohlten ihre Anklagen, daß er durch seine Lehre im ganzen Lande von Galiläa an bis nach Jerusalem Unruhe stifte – Pilatus aufmerksam dadurch gemacht, daß sie Galiläa als die Gegend nannten, von wo er zu lehren angefangen habe, erkundigte sich, ob der Mann ein Galiläer sey; da er diß hörte, so schien er froh zu seyn, diesen verdrieslichen Handel sich von dem Halse zu schaffen, weil Jesus als Galiläer unter Herodes dem Fürsten dieser Gegend stund, und schikte ihn daher diesem zu, der sich des Festes wegen gerade in Jerusalem befand. Dem Herodes machte es Freude, Jesum zu sehen, er wünschte diß schon längst, weil er so viel von Jesu reden gehört hatte, und etwas ausserordentliches von ihm zu sehen hofte – Er that viele Fragen an ihn, auch die Hohenpriester und ihre Begleiter wiederhohlten hier ihre Anklagen; Jesus antwortete nichts zu allem, ebenso gelassen blieb er, als Herodes und seine Höflinge in Spott sich gegen ihn ergossen, und ihm zulezt ein Kleid, das ein Zeichen der fürstlichen Würde war, anlegten. Da Herodes nichts mit ihm zu machen wuste, und ihm Jesus nur ein Gegenstand des Spottes, nicht einer Straffe zu seyn schien, so schikte er ihn wieder zu Pilatus zurük; übrigens hatte diese Aufmerksamkeit des Pilatus die Gerichtsbarkeit des Herodes über Jesum als einen Galiläer zu respektiren, die Wirkung, die Freundschaft zwischen beiden, die vorher unterbrochen worden war, wieder herzustellen. Pilatus war in der vorigen Verlegenheit, berief die Hohenpriester und Rathsglieder zusammen, und erklärte ihnen, sie haben diesen Menschen als einen Unruhstifter bei ihm angeklagt, er finde aber nichts, aus dem sich eine Schuld, die den Tod verdiene, ergebe, eben so wenig als auch Herodes; weiter als ihn geißeln zu lassen, könne er nichts thun, und dann werde er ihm die Freiheit wieder geben – Die Juden waren mit dieser Strafe nicht befriedigt, sondern drangen auf die Todesstrafe; Pilatus, der die Ruhe Jesu bei allen diesen Verhandlungen bewunderte, und aüsserst ungern daran kam, ein Werkzeug zu seyn,

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