[S. 230]
|230| Es scheint, sie seien nur wenige Zeit ausgeblieben, und haben sich bei Jesu bald wieder eingefunden –
[Marc. 7.] Einst befand er sich in einer Gesellschaft von Pharisäern und Gesezgelehrten, die von Jerusalem kamen, diesen fiel es auf, daß die Jünger sich mit unreinen d. h. ungewaschnen Händen zu Tische sezten: denn die Juden nach einer Vorschrift, die sich auf das Herkommen gründet essen nichts, ehe sie sich nicht sehr reinlich gewaschen haben – so mußten auch ausser dem, daß sie schon rein gemacht waren, vor jedem Essen, alle Trinkgeschirre, und sonstige Gefässe, Stühle und Bänke mit Wasser besprizt werden – die Pharisäer fragten Jesum: Warum leben doch deine Schüler nicht nach den Vorschriften unserer Väter, sondern sezen sich mit ungeweihten Händen zu Tische ? Jesus antwortete: eine Stelle eurer heiligen Bücher läst sich gut auf euch anwenden, sie heist: dieß Volk dient mir mit den Lippen, ihr Herz aber ist weit von mir; seelenlos ist ihre Verehrung, denn sie ist eine Befolgung willkührlicher Sazungen – ihr achtet nicht das göttliche Gebot, sondern haltet euch ganz an menschliche Gebraüche, z. B. an das Weihen der Becher und Stühle durch Wasser – und ähnliche drgl. Dinge, darin seid ihr genau – Ein göttliches Gebot z. B. das ihr so aufhebt, um euren kirchlichen Statuten getreu zu bleiben ist das Gesez: ehre deinen Vater und deine Mutter – wer gegen Vater oder Mutter lieblose Reden ausstost, soll sterben – Ihr aber habt ein anderes Gesez auf gestellt – wenn jemand im Zorn zu seinem Vater oder Mutter gesprochen hat: was ich euch noch für Dienste erweisen – oder euch gutes thun könnte, das soll dem Tempel geweiht seyn, – so erklärt ihr ihn dadurch als durch ein Gelübde gebunden, ihnen nichts mehr Gutes zu erweisen, und rechnet es ihm für eine Sünde aus, wenn er seinem Vater oder Mutter noch irgend einen Dienst erwiese – So hebt ihr jenes göttliche Gebot durch eure Gebote auf – auf ähnliche Art habt ihr noch mehrere Sazungen – Jesus sagte darauf zu der Menge, die um ihn her stand, Höret mir zu, und begreift was ich euch sage: nichts,9) das der Mensch von aussenher in sich nimmt, kan ihn verunreinigen, sondern das, dessen Urheber er ist, was aus seinem Munde ausgeht, zeigt an, ob seine Seele
9) Darüber: kein körperliches Ding
