Das Leben Jesu (1795)

[S. 265]

|265| seinen Freunden zubrachte – er widmete ihn denselben ganz, um einen tiefen Eindruk von demselben in ihnen zu hinterlassen –

[Joh. 13.] Bei dem Anfang des Essens stund Jesus noch einmal auf, legte seine Oberkleider ab, schürzte sich auf, nahm ein Leintuch, und wusch seinen Freunden die Füße (eine Verrichtung die gewöhnlich von Dienstboten geschah) – Petrus wollte diß nicht geschehen lassen; Jesus sagte ihm, er werde den Grund davon gleich erfahren; als er mit allen fertig war, so sagte er: ihr seht, was ich that; ich, den ihr euren Lehrer nennt, habe euch die Füsse gewaschen; ich wollte euch damit ein Beispiel geben, [Luc. 22,25.] wie ihr euch gegeneinander betragen sollt – Fürsten lieben die Herrschaft, und lassen sich dafür Wohlthäter des menschlichen Geschlechts nennen – ihr nicht also, keiner erhebe sich über den andern, nehme sich etwas heraus über ihn, sondern als Freunde, sei jeder gefällig und dienstfertig, und mache seine Dienste nicht als eine Wohlthat, oder als eine Herablassung – gegen andere gelten – Ihr wißt diß, wohl euch, wenn ihr es auch thut – ich spreche dabei nicht von euch allen, denn ich kan hier das anwenden, was er irgend heist: einer der mit mir Brod ißt, stoßt seinen Fuß gegen mich – denn einer unter euch wird mich verrathen, dieser Gedanke machte Jesum traurig, und ebenso seine Freunde verlegen, Johannes der Jesu zunächst lag, fragte ihn leise, welcher es doch sei ? Jesus sagte ihm, dem ich dieses Stük Brod gebe, der ists, – und reichte es dem Judas dar, mit den Worten: was du thun willt, das thue bald – Von den übrigen verstund keiner, was diß sagen wollte, sie meinten es betreffe sonst einen Auftrag, weil Judas die Kasse der Gesellschaft verwaltete – Judas vielleicht in der Furcht von Jesu noch öffentlich beschämt zu werden, weil er sahe, daß sein Vorhaben Jesu nicht unbekannt sei – oder durch längere Gegenwart in seinem Vorsaz wankend gemacht zu werden, verließ eilig die Gesellschaft.

Jesus sprach izt weiter: Euer Freund, meine Lieben, hat bald seine Bestimmung vollendet – ihn nimmt der Vater der Menschen, in die Wohnungen seiner Seeligkeit auf; nicht lange mehr so werde ich euch entrissen werden. Als Vermächtnis an euch hinterlasse ich euch das Gebot, euch untereinander zu lieben, und das Beispiel meiner Liebe zu euch – nur durch diese gegenseitige Liebe sollt ihr euch als meine Freunde auszeichnen – Petrus fragte Jesum, wo gedenkst du denn hinzugehen, daß du uns verlassen willt – Auf dem Weg, den ich gehe, sagte Jesus, kannst du mich nicht begleiten

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