System der Sittlichkeit

[S. 330]

|330| so erscheint in ihr auch der ganze Kranz der Tugenden. In dem Kriege als der Darstellung des negativen und des mannichfaltigen, und seiner Vernichtung tritt also die Mannichfaltigkeit der bestimmten Verhältnisse ein, und in ihnen die Tugenden; jene erscheinen als das was sie sind durch empirische Nothwendigkeit gesetzt, und ebenso schnell verschwinden sie auch wieder, und mit ihnen das Daseyn der Tugenden, welche, weil sie diese sich jagende Eile haben, ebensowohl ohne alles Verhältniß zu einer bestimmten Totalität (dem ganzen Zustand eines Bürgers) und also ebensowohl Laster sind. Die Noth des Kriegs setzt die höchste Enthaltsamkeit, und ebenso die höchste Armseligkeit und Erscheinung des Geitzes, und dann des Genusses, der ebenso Schwelgerey ist, weil er keinen Bedacht auf den morgenden Tag oder das ganze Leben und Auskommen haben kann; die Sparsamkeit und die Freygebigkeit werden, Geitz, und die höchste Hartherzigkeit gegen sich und andere, wenn die höchste Noth diese Einschränkung fodert; – und Verschwendung, denn das Eigenthum wird weggeworfen, da es kein Bleiben haben kann, und die Ausgabe dem eigenen oder fremden Gebrauche und Bedürfnisse ganz unangemessen ist. Ebenso ist die völlig in die Indifferenz nicht aufgenommene Realität, das nicht Tugend werden der Bestimmtheit, sondern das Seyn in ihrer Negativität, oder das Vernichten im höchsten Grade vorhanden; wie das sittliche der Tugenden so das Arbeiten. Die Noth des Kriegs erfodert die höchsten Anstrengungen des Körpers, und völlige formale Begriffseinheit des Geistes in mechanischer Arbeit, ebenso wohl als die höchste Knechtschafft eines ganz aüsseren Gehorsams. Wie die Tugenden ohne die aüssere und innere Heucheley, nach jener würde ihre Erscheinung und Aüsserlichkeit durch die Willkühr des Subjects gesetzt seyn, welches im innern in der Absicht aber etwas anderes hätte, – was aber hier nicht geschehen kann, weil das sittliche das Wesen, das innere ist; ebenso wenig als die innere, welche sich ihrer Sittlichkeit bewußt, durch diß Bewußtseyn ihre Subjectivität festhält, und Moralität ist; dort der aüssere Schein, hier der innere Schein, das Bewußtseyn seine Pflicht gethan zu haben, daß sie vor dem Individuum selbst leuchtet. – Ebenso ist die Arbeit ohne Zweck, ohne Bedürfniß, und ohne Beziehung auf die praktische

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