System der Sittlichkeit

[S. 305]

|305| Bestimmtheit betrachtet werden könnte; es ist in dieser Freyheit also ebenso gut die Möglichkeit des Nichtanerkennens, und der Nichtfreyheit gesetzt. Alle Dinge sind ebenfalls durch ihren Begriff die Möglichkeit das Gegentheil ihrer selbst zu seyn, aber sie sind in absoluter Bestimmtheit, oder niedrigere Potenzen der Nothwendigkeit; nicht die Indifferenz aller, sondern in absoluter Differenz gegen andere; die Intelligenz aber, oder das Leben des Menschen ist die Indifferenz aller Bestimmtheiten.

3. Dieses formelle, verhältnißlose Anerkennen, im Verhältniß, und in Differenz, oder nach dem Begriff. In diesem steht lebendiges Individuum gegen lebendiges Individuum, aber mit ungleicher Macht des Lebens; das eine ist also die Macht oder Potenz für das andere; es ist die Indifferenz, indem das andere in der Differenz ist; jenes verhält sich also zu diesem als Ursache; es ist als seine Indifferenz, sein Leben, seine Seele oder Geist. Die grössere Stärke oder Schwäche ist nichts anders, als daß eines in einer Differenz begriffen, auf irgend eine Weise fixirt, und bestimmt ist, nach der das andere es nicht, sondern frey ist; die Indifferenz des nicht freyen ist sein inneres, formelles, nicht herausgehobenes und die Differenz vernichtendes; aber sie muß schlechthin für dasselbe seyn; sie ist sein verborgenes inneres, und deßwegen schaut es sie als das Gegentheil, nemlich als ein aüsseres an, und die Identität ist eine relative, nicht eine absolute noch Mitte. Dieses Verhältniß, das das indifferente und freye, das mächtige ist, gegen das differente, ist das Verhältniß der Herrschafft und Knechtschafft. Diß Verhältniß ist mit der Ungleichheit der Macht des Lebens unmittelbar und absolut gesetzt; es ist hiebey an kein Recht und keine nothwendige Gleichheit zu denken. Die Gleichheit ist nichts anders als die Abstraction, und der formelle Gedanken des Lebens, der ersten Potenz; der bloß ideell und ohne Realität ist; in der Realität hingegen ist die Ungleichheit des Lebens gesetzt, und damit das Verhältniß [der Herrschafft] und Knechtschafft; denn in der Realität ist die Gestalt und Individualität und Erscheinung, also Verschiedenheit der Potenzen oder der Macht; oder die relative Identität, nach welcher das eine Individuum indifferent, das andre aber different gesetzt ist.

Die Mehrheit ist hier die Mehrheit von Individuen, denn in der ersten Potenz ist in der Formalität des Lebens, die absolute Einzelnheit gesetzt worden, als die Form des innern, da das Leben die Form der aüssern Indifferenz ist. Und wo Mehrheit der Individuen ist, ist ein Verhältniß derselben; und diß Verhältniß ist

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