Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

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|284| immer neu sich entwickelndem, unbestimmtem Spiele den Blick beschäftigen, ohne ihn in einer Form zu fixieren. Ein Götterbild war ihnen eben Stein oder Holz – es sieht nicht, es hört nicht usw., mit dieser Litanei dünken sie sich wunderbar weise und verachten es, weil es sie nicht behandelt, und ahnen nichts von seiner Vergöttlichung in der Anschauung der Liebe und im Genuß der Schönheit.

Wenn keine Gestalt für [die] Empfindung, so mußte der Andacht, der Verehrung eines unsichtbaren Objekts doch die Richtung und eine dasselbe einschließende Umgrenzung gegeben werden – Moses gab sie durch das Allerheiligste des Zeltes und des nachherigen Tempels. Pompeius mag sich wohl sehr verwundert haben, als er sich dem Innersten des Tempels genähert, dem Mittelpunkte der Anbetung, und in ihm die Wurzel des Nationalgeistes, wohl die belebende Seele dieses ausgezeichneten Volkes in einem Mittelpunkte zu erkennen, auch ein Wesen für seine Andacht, etwas Sinnvolles für seine Ehrfurcht zu erblicken gehofft hatte und bei dem Eintritt in das Geheimnis in Ansehung des letzteren [sich] getäuscht und jenes in einem leeren Raume fand.

Und sonst sollte an das Nichts-Sein des Menschen und an das Wenige durch Gunst erhaltener Existenz bei jedem Genuß, bei jeder menschlichen Tätigkeit erinnert werden. Als Zeichen des göttlichen Eigentumsrechtes und als Anteil muß von jedem Erzeugnisse des Bodens an Gott der Zehnte entrichtet werden; alle Erstgeburt gehörte ihm, die ausgelöst werden konnte. Der menschliche Körper, der nur verliehen war und ihnen nicht eigentlich zugehörte, muß rein gehalten werden, wie der Bediente die Livree, die ihm der Herr gibt, rein zu erhalten hat, jede Verunreinigung [mußte] ausgesöhnt, d. h. durch das Hingeben irgendeiner Sache, die der Israelit sein nannte, anerkannt werden, daß die Veränderung des fremden Eigentums eine Anmaßung und unrechtmäßig war und daß ihm überhaupt kein Eigentum zukommt. Was ihm [sc. Gott] aber ganz zugehörte, ihm ganz heilig war, wie manche über Feinde gemachte Eroberungen

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