Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 319]

|319| heilig, es kann auch Heiliges geben, das an sich Objekte sind, nicht nur wenn sie selbst Darstellungen eines viele vereinigenden Ideals sind, sondern [auch wenn sie] auf irgendeine Art mit diesem in Beziehung stehen, zu ihm gehören. Die Not kann die Entweihung eines solchen heiligen Dinges gebieten; aber es ohne Not zu verletzen ist Mutwillen, wenn das, worin ein Volk vereinigt ist, zugleich ein Gemeinsames, ein Eigentum aller ist; denn alsdann ist die Verletzung des Heiligtums zugleich eine ungerechte Verletzung des Rechtes aller; der fromme Eifer, der Tempel und Altäre eines fremden Gottesdienstes zerbricht, seine Priester verjagt, entweiht gemeinsame und allen gehörige Heiligtümer. Aber ist ein Heiliges nur insofern alle vereinigend, als alle entsagen, als alle dienen, so nimmt hieran jeder, der sich von [den] anderen trennt, sein Recht wieder auf, und die Verletzung eines solchen heiligen Dinges oder Gebotes ist in Rücksicht der anderen nur insofern eine Störung, als der Gemeinschaft mit ihnen entsagt und der willkürliche Gebrauch seiner Sache – sei diese Zeit, oder was es ist- wieder sich vindiziert wird. Um so geringer aber ein solches Recht und die Aufopferung desselben ist, um so weniger wird [ein] Mensch darüber seinen Mitbürgern in dem, was ihnen das Höchste ist, sich entgegensetzen, die Gemeinschaft mit ihnen im innigsten Punkte der Verknüpfung zerreißen wollen. Nur wenn das Ganze der Gemeinschaft ein Gegenstand der Verachtung ist, – und da Jesus aus der ganzen Existenz seines Volkes heraustrat, so fiel diese Art von Schonung weg, mit der sonst ein Freund sich in Gleichgültigkeiten gegen den beschränkt, mit dem er ein Herz und eine Seele ist, und um einer jüdischen Heiligkeit willen versagte er nicht, schob nicht einmal die Befriedigung eines sehr gemeinen Bedürfnisses, einer Willkür auf; er ließ darin seine Trennung von seinem Volke, seine ganze Verachtung gegen die Knechtschaft unter objektiven Geboten lesen.

Seine Begleiter gaben den Juden durch das Ausraufen der Ähren am Sabbath ein Ärgernis; der Hunger, der sie dazu

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