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|344| Leben als Macht; und das Leben kann seine Wunden wieder heilen, das getrennte feindliche Leben wieder in sich selbst zurückkehren und das Machwerk eines Verbrechens, das Gesetz und die Strafe aufheben.28) Von da an, wo der Verbrecher die Zerstörung seines eigenen Lebens fühlt (Strafe leidet) oder sich (im bösen Gewissen) als zerstört erkennt, hebt die Wirkung seines Schicksals an, und dies Gefühl des zerstörten Lebens muß eine Sehnsucht nach dem verlorenen werden; das Mangelnde wird erkannt als sein Teil, als das, was in ihm sein sollte und nicht in ihm ist; diese Lücke ist nicht ein Nicht-Sein, sondern das Leben als nicht-seiend erkannt und gefühlt. Dies Schicksal als möglich empfunden ist die Furcht vor ihm, und ist ein ganz anderes Gefühl als die Furcht vor der Strafe; jenes ist die Furcht vor der Trennung, eine Scheu vor sich selbst; die Furcht vor der Strafe ist die Furcht vor einem Fremden; denn wenn auch das Gesetz als eigenes Gesetz erkannt wird, so ist in der Furcht vor der Strafe die Strafe ein Fremdes, wenn sie nicht als Furcht vor Unwürdigkeit vorgestellt wird; aber in der Strafe kommt zur Unwürdigkeit auch die Wirklichkeit eines Unglücks [hinzu], daß der Begriff des Menschen verloren29), d. h. dessen der Mensch unwürdig geworden ist; die Strafe setzt also einen fremden Herrn dieser Wirklichkeit voraus; und die Furcht vor der Strafe ist Furcht vor ihm – im Schicksal hingegen [ist] die feindliche Macht die Macht des verfeindeten Lebens, also die Furcht vor dem Schicksal
28) Im Manuskript gestrichen: Übertretung, Verbrechen und Strafe stehen nimmer im Verhältnis der Ursache und Wirkung, deren bestimmendes Band ein Objektives, ein Gesetz wäre; in diesem Falle könnten Ursache und Wirkung als schlechthin Getrennte nicht mehr vereinigt werden; das Schicksal hingegen, das auf den Verbrecher rückwirkende Gesetz kann aufgehoben werden, weil er das Gesetz selbst aufgestellt hat; die Trennung, die er gemacht hat, kann vereinigt werden; diese Vereinigung ist in der Liebe.
29) Werkausgabe: in Hegels Ms: „Die Wirklichkeit eines Unglücks hinaus, das [sic] der Begriff des Menschen verloren“. Nohl schlägt vor: „die Wirklichkeit eines Unglücks, der Verlust eines Glücks hinzu, das [sic] der Begriff des Menschen verloren“.
