Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 393]

|393| durch das Zeugnis geschehener Dinge unterstützt werden, ohne eigenen heiligen Geist; ein solches Lehren wäre aber keine Weihe, kein Eintauchen des Geistes. In Markus – wenn das letzte Kapitel nicht ganz echt wäre, so ist doch sein Ton charakteristisch – ist dieser Abschied des Jesus viel objektiver ausgedrückt; das Geistige erscheint in ihm mehr als gewöhnliche Formel, die Ausdrücke [sind] durch die Gewohnheit einer Kirche verkältete übliche Worte: Verkündet das Evangelium (ohne weiteren Zusatz, eine Art von terminus technicus), der Glaubende und Getaufte wird gerettet, der Nichtglaubende verurteilt werden, – der Glaubende und Getaufte haben schon das Ansehen bestimmter, einer Sekte oder Gemeine zum Abzeichen dienender Worte ohne Seele, deren volle Begriffe vorausgesetzt werden. Statt des Geistvollen: ich bin mit euch alle Tage, dem Erfülltsein der Gläubigen vom Geiste Gottes und des verherrlichten Jesus, spricht Markus trocken, ohne daß es durch Begeisterung gehoben mit Geist anwehte, von wunderbaren Beherrschungen der Wirklichkeit, von Teufelaustreiben und dergleichen Handlungen, die die Gläubigen vermögen werden, so objektiv, als man nur von Handlungen sprechen kann, ohne ihrer Seele zu erwähnen.

Die Entwicklung des Göttlichen in den Menschen, das Verhältnis, in das sie durch die Erfüllung mit dem heiligen Geiste mit Gott treten, seine Söhne zu werden und in der Harmonie ihres ganzen Wesens und Charakters, ihrer entwickelten Mannigfaltigkeit zu leben, einer Harmonie, in welcher nicht [nur] ihr vielseitiges Bewußtsein in einen Geist, die vielen Lebensgestalten in ein Leben einklingen, sondern durch welche auch die Scheidewände gegen andere gottähnliche Wesen aufgehoben werden und derselbe lebendige Geist die verschiedenen Wesen beseelt, welche also nicht mehr nur gleich, sondern einig sind, nicht eine Versammlung ausmachen, sondern eine Gemeine, weil sie nicht in einem Allgemeinen, einem Begriffe, etwa als Glaubende, sondern durch Leben, durch die Liebe vereinigt sind, – diese lebendige

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