Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 353]

|353| Sinnlichkeit oder des Individuums auf und setzt auf diese Art Möglichkeit von Strafen, nicht eines Schicksals, jene von außen her, von einem Unabhängigen kommend, dieses durch eure Natur, obzwar als ein jetzt Feindseliges bestimmt, aber noch nicht über euch, sondern nur gegen euch.

Querverweis: Strafe, Verbrechen und Wiederherstellung des Rechts in den Grundlinien: § 99§ 101; zur Rache § 102.

Nicht nur ein Schicksal, in das der Mensch durch die Tat anderer verwickelt würde, wenn er den Fehdehandschuh aufnähme und sich in sein Recht gegen den Beleidiger setzte, wird abgewendet durch Aufgebung des Rechts und Festhalten an der Liebe; auch ein Schicksal, das er durch eigene Tat einer widerrechtlichen Lebensverletzung gegen sich erweckt hat, kann er durch die stärker werdende Liebe wieder zum Schlafe bringen. Die Strafe des Gesetzes ist nur gerecht; der gemeinsame Charakter, der Zusammenhang des Verbrechens und der Strafe ist nur Gleichheit, nicht Leben. Die gleichen Schläge, die der Verbrecher ausgeteilt hat, erfährt er wieder, gegen den Tyrannen stehen wieder Peiniger, gegen den Mörder Henker; und die Peiniger und die Henker, die dasselbe tun, was die Tyrannen und die Mörder taten, heißen darum gerecht, weil sie das gleiche tun; sie mögen es mit Bewußtsein als Rächer oder als blinde Werkzeuge tun, ihre Seele kommt nicht in Anschlag, nur ihre Tat. Von Versöhnung, von Wiederkehr zum Leben kann also bei der Gerechtigkeit nicht die Rede sein. Vor dem Gesetze ist der Verbrecher nichts als ein Verbrecher; aber so wie jenes ein Fragment der menschlichen Natur ist, also auch dieser; wäre jenes ein Ganzes, ein Absolutes, so wäre auch der Verbrecher nichts als ein Verbrecher. Auch in der Feindschaft des Schicksals wird gerechte Strafe empfunden. Aber da sie nicht von einem fremden Gesetze über den Menschen kommt, sondern aus dem Menschen erst das Gesetz und Recht des Schicksals entsteht, so ist die Rückkehr zu dem ursprünglichen Zustand, zur Ganzheit möglich, denn der Sünder ist mehr als eine existierende Sünde, ein Persönlichkeit habendes Verbrechen; er ist Mensch, Verbrechen und Schicksal ist in ihm, er kann wieder zu sich selbst zurückkehren, und wenn er zurückkehrt,

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