Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 276]

|276| den Menschen die Einheit, setzte ihn zum Seienden ein, das die übrigen Wirklichen zu Gedachten mache, d. h. tötete, beherrschte; er versuchte es, die Natur so weit zu beherrschen, daß sie den Menschen nicht mehr gefährlich werden könnte; er setzte sich in Verteidigungszustand gegen sie, „ein tollkühner und auf seinen starken Arm trotzender Mann; im Fall Gott es sich wieder gelüsten ließe, die Welt mit einer Wasserflut zu überschwemmen, drohte er, es nicht an Macht und Mitteln fehlen zu lassen, ihm genügsamen Widerstand zu tun; denn er hätte beschlossen, einen Turm zu bauen, der weit höher werden sollte, als die Wasserwogen und Wellen je sich auftürmen könnten, und auf solche Art den Untergang seiner Voreltern zu rächen (nach einer anderen Sage, Eupol[emos] bei Eusebios3), sollen von der Flut selbst Übriggebliebene den Turm gebaut haben); er beredete die Menschen, alles Gute hätten sie sich selbst durch ihre Tapferkeit und Stärke erworben; und so veränderte er alles und gründete in kurzem eine tyrannische Herrschaft.“ Er vereinigte die mißtrauisch gewordenen, einander entfremdeten Menschen, die sich nun zerstreuen wollten, nicht wieder zur frohen, einander und der Natur vertrauenden Geselligkeit, sondern hielt sie zwar zusammen, aber durch Gewalt. Er verteidigte sich gegen das Wasser mit Mauern, war ein Jäger und ein König. So mußten im Kampf gegen die Not die Elemente, die Tiere und die Menschen das Gesetz des Stärkeren, aber eines Lebendigen tragen.

3) Werkausgabe: Eusebios von Caesarea, Praeparatio evangelica, 9, 17

Gegen die feindselige Macht sicherte sich Noah dadurch, daß er sie und sich einem Mächtigeren unterwarf, Nimrod, daß er selbst sie bändigte; beide schlossen mit dem Feinde einen Frieden der Not und verewigten so die Feindschaft; keiner versöhnte sich mit ihm, nicht wie ein schöneres Paar, Deukalion und Pyrrha nach ihrer Flut es taten, [die] die Menschen wieder zur Freundschaft mit der Welt, zur Natur einluden, sie durch Freude und Genuß der Not und Feindschaft

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