Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 296]

|296| Jude, der sich wohl, aber nicht sein Objekt aufgeben wollte, [suchte ihn] in der Hoffnung eines kommenden Messias; die Pharisäer in dem Treiben des Dienstes und Tun des gegenwärtigen Objektiven und [der] völligen Vereinigung des Bewußtseins mit demselben (weil sie außer dem Kreise ihres Wirkens, in welchem sie Herren waren, bei seiner Unvollständigkeit noch ihnen fremde Mächte fühlten, so glaubten sie an die Vermengung eines fremden Schicksals mit der Macht ihres Willens und ihrer Tätigkeit); die Sadduzäer in der ganzen Mannigfaltigkeit ihrer Existenz und der Zerstreuung eines wandelbaren Daseins, das nur durch Bestimmtheiten erfüllt und [in dem] die Unbestimmtheit nur als Möglichkeit eines Übergangs zu anderen Bestimmtheiten wäre; die Essener in einem Ewigen, in einer Verbrüderung, die alles scheidende Eigentum, und was damit zusammenhängt, ausschlösse und sie zu einem lebendigen Einen ohne Mannigfaltigkeit machte; in einem gemeinsamen Leben, das von allen Verhältnissen der Wirklichkeit unabhängig wäre, dessen Genuß sich auf die Gewohnheit des Zusammenseins gründete, eines Zusammenseins, das durch die völlige Gleichheit der Mitglieder von keiner Mannigfaltigkeit gestört würde. Um so durchgängiger die Abhängigkeit der Juden von ihrem Gesetze war, um so größer mußte ihr Eigensinn sein in dem, worin sie noch einen Willen haben konnten, und dies einzige war ihr Dienst selbst, wenn er eine Entgegensetzung fand. Mit so leichtem Sinn sie sich verführen ließen, ihrem Glauben untreu zu werden, wenn das ihm Fremde sich ihnen, wenn sie nicht in Not und ihr dürftiger Genuß befriedigt war, nicht als Feindliches nahte, so hartnäckig kämpften sie für ihren Dienst, wenn er angegriffen wurde. Sie stritten für ihn als Verzweifelte, sie waren selbst fähig, im Kampf für ihn seine Gebote, z. B. die Feier des Sabbaths, zu übertreten, die sie auf Befehl eines anderen mit Bewußtsein zu verletzen durch keine Gewalt vermocht werden konnten. Und so, wie das Leben in ihnen mißhandelt, wie in ihnen nichts Unbeherrschtes, nichts Heiliges gelassen war,

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