Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

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|402| würdig“. Je tiefer er aber diese Trennung fühlte, desto weniger konnte er sie ruhig tragen, und seine Tätigkeit war die mutvolle Reaktion seiner Natur gegen die Welt; und sein Kampf war rein und erhaben, weil er das Schicksal in seinem ganzen Umfange erkannt und sich gegenübergesetzt hatte. Sein und seiner von ihm gestifteten Gemeine Widerstand gegen die Verdorbenheit mußte diese Verdorbenheit sich selbst und dem von ihr noch freieren Geist zum Bewußtsein bringen und ihr Schicksal mit sich entzweien; der Kampf des Reinen mit dem Unreinen ist ein erhabener Anblick, der sich aber bald in einen gräßlichen verwandelt, wenn das Heilige selbst vom Unheiligen gelitten [hat] und eine Amalgamation beider mit der Anmaßung, rein zu sein, gegen das Schicksal wütet, indem es selbst noch unter ihm gefangen liegt. Jesus sah die ganze Gräßlichkeit dieser Zerrüttung voraus; ich kam nicht, sagte er, der Erde Frieden zu bringen, sondern das Schwert; ich kam den Sohn gegen seinen Vater zu entzweien, die Tochter gegen ihre Mutter, die Braut gegen ihre Schwieger. Was zum Teil sich vom Schicksal losgesagt hat, zum Teil aber im Bunde damit steht, mit oder ohne Bewußtsein dieser Vermischung, muß sich und die Natur um so fürchterlicher zerreißen, und bei der Vermischung der Natur und Unnatur muß der Angriff auf die letztere auch die erstere treffen, der Weizen mit dem Unkraut zertreten und das Heiligste der Natur selbst verletzt werden, weil es in das Unheilige verflochten ist. Die Folgen vor Augen dachte Jesus nicht daran, seine Wirksamkeit zurückzuhalten, um der Welt ihr Schicksal zu ersparen, ihre Zuckungen zu mildern und ihr im Untergange den tröstenden Glauben an Schuldlosigkeit zu lassen.

Die Existenz des Jesus war also Trennung von der Welt und Flucht von ihr in den Himmel; Wiederherstellung des leerausgehenden Lebens in der Idealität; bei jedem Widerstreitenden Erinnerung und Emporschauen zu Gott; aber zum Teil Betätigung des Göttlichen und insofern Kampf mit dem Schicksal, teils in Verbreitung des Reiches Gottes, mit dessen

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