Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 410]

|410| Heros sich emporgeschwungen; aber dort sind der gestalteten Tapferkeit, [sind] allein dem zum Gott gewordenen, nicht mehr kämpfenden noch dienenden Helden, hier [hingegen] nicht dem Heros allein die Altäre geweiht, werden die Gebete gebracht; nicht der Erstandene allein ist das Heil der Sünder und ihres Glaubens Entzückung; auch der Lehrende und Wandelnde und am Kreuze Hängende wird angebetet. Diese ungeheure Verbindung ist es, über welche seit so vielen Jahrhunderten Millionen gottsuchender Seelen sich abgekämpft und gemartert haben.

Es ist nicht die Knechtsgestalt, die Erniedrigung selbst, an welcher als der Hülle des Göttlichen sich der Trieb nach Religion stieße, wenn die Wirklichkeit sich damit begnügte, Hülle zu sein und vorüberzugehen; aber so soll sie fest und bleibend noch an und in dem Gotte zu seinem Wesen gehören und die Individualität Gegenstand der Anbetung sein; und die im Grabe abgestreifte Hülle der Wirklichkeit ist aus dem Grabe wieder emporgestiegen und hat sich dem als Gott Erstandenen angehängt. Dies der Gemeine traurige Bedürfnis eines Wirklichen hängt tief mit ihrem Geiste und seinem Schicksale zusammen. Ihre jede Lebensgestalt zum Bewußtsein eines Objekts bringende und sie somit verachtende Liebe hatte in dem Erstandenen zwar sich selbst als gestaltet erkannt; er war aber für sie nicht bloß die Liebe; denn da ihre Liebe, von der Welt abgeschieden, sich nicht in der Entwicklung des Lebens, noch in seinen schönen Beziehungen und in der Ausbildung der natürlichen Verhältnisse darstellte, da die Liebe Liebe sein und nicht leben sollte, so mußte irgendein Kriterium der Erkenntnis derselben zur Möglichkeit des gegenseitigen Glaubens an sie vorhanden sein. Weil die Liebe nicht selbst die durchgängige Vereinigung stiftete, so bedurfte es eines anderen Bandes, das die Gemeine verknüpfte und worin sie zugleich die Gewißheit der Liebe aller fände; sie mußte sich an einer Wirklichkeit erkennen. Diese war nun die Gleichheit des Glaubens, die Gleichheit, eine Lehre empfangen, einen gemeinschaftlichen

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