[S. 275]
|275| an sie hatte, nun mit der zerstörendsten, unzuüberwältigenden, unwiderstehbarsten Feindschaft erwiderte und in ihrem Toben nichts durch einen Unterschied der Liebe verschonte, sondern die wilde Verwüstung über alles ergoß. Einige Erscheinungen, Rückwirkungen gegen den Eindruck jenes allgemeinen, durch feindselige Elemente bewirkten Menschenmordes hat uns die Geschichte angedeutet. Damit der Mensch gegen die Ausbrüche der nun feindlichen Natur bestehen könnte, so mußte sie beherrscht werden; und da das entzweite Ganze nur in Idee und Wirklichkeit entzweit sein kann, so ist die höchste Einheit der Beherrschung entweder in einem Gedachten oder in einem Wirklichen. In jenem baute Noah die zerrissene Welt zusammen; sein gedachtes Ideal machte er zum Seienden, und ihm dann gegenüber setzte er alles als Gedachtes, d. h. als Beherrschtes, es versprach ihm, die ihm dienenden Elemente so in ihren Schranken zu halten, daß keine Wasserflut mehr die Menschen verderben sollte; unter dem Lebendigen, das einer solchen Beherrschung fähig ist, legte es den Menschen das Gesetz auf, das Gebot, sich selbst so zu beschränken, daß sie einander nicht mordeten; wer diese Schranken überträte, der falle seiner Macht anheim und werde also zum Leblosen; dieses Beherrschtwerden des Menschen vergütete es ihm dagegen auch durch Herrschaft über die Tiere; aber wenn es zwar diese eine Zerreißung des Lebendigen, die Tötung der Gewächse und Tiere sanktionierte und die durch Not abgedrungenen Feindseligkeiten zur gesetzmäßigen Herrschaft machte, so wurde doch das Lebendige noch insoweit geehrt, daß das Blut der Tiere zu essen verboten wurde, weil in demselben das Leben, die Seele der Tiere wäre, Gen. 9, 4.
Auf die entgegengesetzte Art legte Nimrod (wenn es erlaubt ist, hier mit den mosaischen Nachrichten auch die passende Darstellung zu verbinden, die Josephus, Jüd[ische] Altert[ümer], 1. B., 4. Kap. von seiner Geschichte macht) in
