Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 366]

|366| Brot, der Wein bloßer Wein; aber beide sind auch noch mehr. Dieses Mehr hängt nicht mit den Objekten, als eine Erklärung, durch ein bloßes Gleichwie zusammen; gleichwie die vereinzelten Stücke, die ihr eßt, von einem Brote sind, der Wein, den ihr trinkt, aus dem gleichen Kelche ist, so seid ihr zwar Besondere, aber in der Liebe, im Geiste eins; gleichwie ihr alle teilnehmt an diesem Brot und Wein, so nehmt ihr auch alle an meiner Aufopferung teil; oder welche Gleichwie’s man darin finden mag; allein der Zusammenhang des Objektiven und des Subjektiven, des Brotes und der Personen ist nicht der Zusammenhang des Verglichenen mit einem Gleichnis, der Parabel, in welcher das Verschiedene, Verglichene als geschieden, als getrennt aufgestellt wird und nur Vergleichung, das Denken der Gleichheit Verschiedener gefordert wird; denn in dieser Verbindung fällt die Verschiedenheit weg, also auch die Möglichkeit der Vergleichung. Die Heterogenen sind aufs innigste verknüpft. In dem Ausdruck Joh. 6, 56: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir, und ich in ihm“, oder Joh. 10, 7: „Ich bin die Tür“ und ähnlichen harten Zusammenstellungen muß in der Vorstellung das Verbundene notwendig in verschiedene Verglichene getrennt und die Verbindung als eine Vergleichung angesehen werden. Hier aber werden (wie die mystischen Stücke des Rings) Wein und Brot mystische Objekte, indem Jesus sie seinen Leib und Blut nennt und ein Genuß, eine Empfindung unmittelbar sie begleitet; er zerbrach das Brot, gab es seinen Freunden: Nehmet, esset; dies ist mein Leib, für euch hingegeben; so auch den Kelch: Trinket alle daraus; dies ist mein Blut, das Blut des neuen Bundes, über viele ausgegossen zur Entlassung der Sünden. Nicht nur der Wein ist Blut, auch das Blut ist Geist; der gemeinschaftliche Becher, das gemeinschaftliche Trinken [ist] der Geist eines neuen Bundes, der viele durchdringt, in welchem viele Leben zur Erhebung über ihre Sünden trinken; und von diesem Gewächse des Weinstocks werde ich nicht mehr trinken, bis auf jenen Tag der Vollendung, wenn ich es mit

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