Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 299]

|299| Selbstbestimmung, Selbsttätigkeit. Was ist Knechtschaft gegen ein Gesetz?
α) im entgegengesetzten – Willenlosigkeit;
β) in Beziehung auf andere Menschen – Gefühllosigkeit, Mangel schöner Beziehungen, Liebe, Trennung
γ) Gottlosigkeit

b) Der Herr, der unsichtbare Herr – ihm entgegengesetzt Schicksallosigkeit, entweder der Unschuld oder der Selbstmacht; jene nicht möglich, er konnte in sie nicht die beiden Entgegengesetzten vereinigen, weil eigentlich nur eins der Entgegengesetzten ohne Widerstreit herrschte, – dies nicht, als Gottlosigkeit – also die Herrschaft gemildert in Vaterschaft – Abhängigkeit von einem Liebenden in Ansehung der Not.

c) Andere bestimmt α) entweder von mir – diesem entgegengesetzt Moralität, oder β) von einem anderen (Verachtung der Menschen, Egoismus und Hoffen auf objektive Hilfe) – Achtung anderer, Berichtigung oder Vernichtung dieser Hoffnung.
Autorität gegen Autorität – allein auf die Autorität des Glaubens an Menschennatur. Joh[annes]: er wußte, welche Kraft im Menschen war. Wunder – er hoffte auch auf ihre Wirkung – Reelles nicht Polemisches. Die Aufregung des Subjektiven in mancherlei Rücksichten – eine schöne Religion zu stiften, das Ideal davon? findet man es?

Nur dann kann zwischen Zeremonial- und Moralgesetzen unterschieden werden, wenn Moralität vindiziert ist; in der jüdischen Religion Moralität unmöglich, weil keine Freiheit darin war, sondern durchgängige Herrschaft.

Im allgemeinen [setzte Jesus das] Subjekt gegen das Gesetz.

Dem Gesetz setzte er Moralität entgegen? – Moralität ist nach Kant die Unterjochung des Einzelnen unter das Allgemeine, der Sieg des Allgemeinen über sein entgegengesetztes Einzelnes – eher Erhebung des Einzelnen zum Allgemeinen, Vereinigung – Aufhebung der beiden Entgegengesetzten durch Vereinigung.

a) Einigkeit im Bestimmten setzt Freiheit voraus, denn ein Beschränktes hat ein Entgegengesetztes12)

12) Fußnote Hegels. Und die Einigkeit selbst [ist] auf diese Art eine beschränkte – nicht die Verstandeseinheit, die auch eine unvollständige Einigkeit ist; durch die Verstandeseinheit werden die Getrennten als Getrennte gelassen, die Substanzen bleiben getrennt; die Vereinigung ist objektiv, in der Willenseinigkeit sind die Getrennten keine Substanzen; von den Entgegengesetzten wird eins völlig ausgeschlossen; das andere wird gewählt, d. h. es geht eine Vereinigung vor der Vorstellung und des Vorstellenden; das Vorstellende und das Vorgestellte werden eins; dies ist die Handlung; das Moralische der Handlung ist in der Wahl, die Vereinigung in der Wahl ist, daß das Ausgeschlossene ein Trennendes ist; daß das vorgestellte, das in der Handlung vereinigt wird mit dem Vorstellenden der Tätigkeit, selbst schon ein vereinigtes sei, unmoralisch, wenn es ein Trennendes ist. Die Möglichkeit der Entgegensetzung ist Freiheit – das Entgegensetzen selbst ein Akt der Freiheit.
Die moralische Handlung ist darum unvollständig und unvollkommen weil sie die Wahl, weil sie Freiheit, Entgegengesetzte, Ausschließung eines Entgegengesetzten voraussetzt, – je verbundener dies Ausgeschlossene ist desto größer die Aufopferung, die Trennung, desto unglücklicher das Schicksal; [je] größer dieser einzelne, desto zerrissener die Idee des Menschen; [je] intensiver sein Leben, desto mehr verliert es an Extension, und er trennt sich wieder desto mehr. Moralität [ist] Angemessenheit, Vereinigung mit dem Gesetz des Lebens; ist dieses Gesetz aber nicht Gesetz des Lebens, sondern selbst ein fremdes, so ist die höchste Trennung; Objektivität.

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