Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 301]

|301| ist Liebe; Beziehung in Trennung: Bestimmen oder Bestimmtwerden, jenes unmoralisch gegen andere, dies gegen sich selbst – denn beides ist nur Bewirken einer theoretischen Einheit. Wollen ist das Ausschließen des Entgegengesetzten, – die Tat ist das Aufheben der Trennung zwischen dem Gewollten, jetzt noch Vorgestellten und dem Streben, der Tätigkeit, [dem] Trieb, dem Wollenden. Bei einem positiven Gesetz ist die Handlung keine Vereinigung, sondern ein Bestimmtwerden; das Prinzip nicht Liebe; das Motiv ist ein Beweggrund im eigentlichen Sinne, es verhält sich als Ursache, Wirkendes; es ist ein Fremdes, nicht eine Modifikation des Wollenden. Das Objekt der Handlung ist im Positiven nicht der reflektierte Trieb selbst oder der Trieb als Objekt, sondern ein Fremdes, von dem Triebe Verschiedenes.

Kants praktische Vernunft ist das Vermögen der Allgemeinheit, d. h. das Vermögen auszuschließen; die Triebfeder Achtung; dies Ausgeschlossene in Furcht unterjocht – eine Desorganisation, das Ausschließen eines noch Vereinigten; das Ausgeschlossene ist nicht ein Aufgehobenes, sondern ein Getrenntes noch Bestehendes. Das Gebot ist zwar subjektiv, ein Gesetz des Menschen, aber ein Gesetz, das anderen in ihm Vorhandenen widerspricht, ein Gesetz, das herrscht, es gebietet nur, die Achtung treibt zur Handlung, aber Achtung ist das Gegenteil des Prinzips, dem die Handlung gemäß ist; das Prinzip ist Allgemeinheit; Achtung ist dies nicht; die Gebote sind für die Achtung immer ein Gegebenes.

Jesus setzt dem Gebote die Gesinnung gegenüber, d. h. die Geneigtheit, so zu handeln; Neigung ist in sich gegründet, hat ihr idealisches Objekt in sich selbst; nicht in einem Fremden (dem Sittengesetze der Vernunft). Er sagt nicht: haltet solche Gebote, weil sie Gebote eures Geistes sind, nicht weil sie euren Voreltern gegeben worden sind, sondern weil ihr sie selbst euch gebt – so sagt er nicht; er setzt die Gesinnung gegenüber, die Geneigtheit, moralisch zu handeln. Da eine moralische Handlung beschränkt ist, so ist auch das Ganze, aus dem sie kommt, immer beschränkt und zeigt sich nur in dieser Beschränkung; sie ist aber nur durch ihr Objekt, durch die besondere Art der Trennung, die sie aufhebt, bestimmt; sonst innerhalb dieser Grenze ist ihr Prinzip vollständige Vereinigung; da aber diese Gesinnung bedingt, beschränkt ist, so ruht sie und handelt nur, wenn die Bedingung eintritt, dann vereinigt sie, sie ist also einerseits nur im Handeln sichtbar, in dem, was sie tut (man kann von ihr nicht im vollen Sinne sagen: sie ist, weil sie nicht unbedingt ist), andererseits ist sie in der Handlung nicht vollständig dargestellt. Denn die Handlung zeigt nur die bewirkte objektive Beziehung der bei der Handlung Vorhandenen; nicht die Vereinigung, die das Lebendige ist; aber weil

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