Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 302]

|302| diese Vereinigung nur in dieser Handlung ist, so steht sie einzeln und isoliert; es ist nicht mehr vereinigt worden, als in dieser Handlung geschehen ist.

Ist zugleich ein Streben vorhanden, diese Akte zu vervielfältigen, so ist das Prinzip nicht mehr eine ruhende Gesinnung; ein Bedürfnis und das Bedürfnis eines Ganzen der Vereinigung ist vorhanden, das Bedürfnis der Liebe (allgemeine Menschenliebe); sie sucht das Ganze in einer unendlichen Mannigfaltigkeit von Handlungen zu schaffen, dem Beschränkten der einzelnen Handlung durch die Menge und Vervielfältigung den Schein des Ganzen Unendlichen zu geben. Darum schöne Seelen, die unglücklich sind, entweder daß sie sich ihres Schicksals bewußt oder daß sie nur nicht in der ganzen Fülle ihrer Liebe befriedigt sind, so wohltätig sind – sie haben schöne Momente des Genusses, aber auch nur Momente, und die Tränen des Mitleids, der Rührung über eine solche schöne Handlung sind Wehmut über ihre Beschränktheit – oder die hartnäckige Ausschlagung der Annehmung des Dankes, die verborgene Großmut [ist] eine Scham über die Mangelhaftigkeit des Zustandes. Der Wohltäter ist immer größer als der Empfangende.

In [den Evangelien des] Matthäus, Markus und Lukas [ist] Christus mehr im Gegensatz gegen die Juden – mehr Moral. Im Johannes [-Evangelium ist er] mehr er selbst, mehr religiösen Inhalts, seine Beziehung auf Gott und seine Gemeine, seine Einheit mit dem Vater, und wie seine Anhänger mit ihm unter sich eins sein sollen – Er der Mittelpunkt und das Oberhaupt; wie bei der lebendigsten Vereinigung mehrerer Menschen immer noch eine Trennung stattfindet, so auch in dieser Vereinigung – dies das Gesetz der Menschheit; im Ideal das völlig vereinigt, was noch getrennt ist, die Griechen in Nationalgöttern, die Christen in Christus.

a) Moral

b) Liebe

c) Religion – Ich Christus – Reich Gottes – Gestalt desselben unter diesen Umständen – Wunder.

Gesinnung hebt die Positivität, Objektivität der Gebote auf; Liebe die Schranken der Gesinnung, Religion die Schranken der Liebe. –

In objektiven Menschen ist er [sc. der Mensch] der Macht entgegengesetzt, die ihn beherrscht, und er insofern leidend; sofern er tätig ist, verhält er sich ebenso, es ist ihm ein Leidendes gegenüber; er ist immer Sklave gegen einen Tyrannen und zugleich Tyrann gegen Sklaven; in einer positiven Religion [ist] der Mensch einerseits bestimmt, beherrscht, Gott der Herrscher, –

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