Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 414]

|414| der Körper ist, weil ihm mit dem Geist nichts gemein ist, aber Geist und Körper haben nichts gemein; sie sind absolut Entgegengesetzte. Ihre Vereinigung, in welcher ihre Entgegensetzung aufhört, ist ein Leben, d. i. gestalteter Geist; und wenn dieser als Göttliches, Ungetrenntes wirkt, so ist sein Tun eine Vermählung mit verwandtem Wesen, mit Göttlichem, und Erzeugung, Entwicklung von neuem, der Darstellung ihrer Vereinigung; sofern aber der Geist in einer anderen, entgegengesetzten Gestalt als Feindliches, Beherrschendes wirkt, so hat er seiner Göttlichkeit vergessen. Wunder sind darum die Darstellung des Ungöttlichsten, weil sie das Unnatürlichste sind und die härteste Entgegensetzung des Geistes und Körpers in ihrer ganzen ungeheuren Roheit verknüpft enthalten. Göttliches Tun ist Wiederherstellung und Darstellung der Einigkeit; Wunder die höchste Zerreißung. Die regegemachte Erwartung also, die mit dem verklärten, zum Gotte erhabenen Jesus vergesellschaftete Wirklichkeit durch wunderbare Tätigkeiten dieses Wirklichen zur Göttlichkeit zu erheben, wird also so gar nicht erfüllt, daß sie vielmehr die Härte dieser Beifügung eines Wirklichen um so mehr erhöht. Doch ist sie für [uns] um so viel größer als für die Mitglieder der ersten christlichen Gemeinde, um soviel mehr wir Verstand haben als diese, die, vom orientalischen Geiste angehaucht, die Trennung des Geistes und des Körpers weniger vollendet, dem Verstand weniger als Objekte überliefert hatten. Wo wir bestimmte Wirklichkeit, geschichtliche Objektivität mit dem Verstande erkennen, da ist oft für sie Geist; und wo wir nur den reinen Geist setzen, da ist er ihnen noch bekörpert. Von der letzteren Art der Ansicht ist die Form, in der sie das [fassen], was wir Unsterblichkeit, und zwar Unsterblichkeit der Seele nennen, ein Beispiel; sie erscheint ihnen als eine Auferstehung des Leibes; beide Ansichten sind die Extreme zwischen dem griechischen Geiste; jenes das Extrem der Vernunft, die eine Seele, ein Negatives gegen allen Verstand, und sein Objekt, den toten Körper, entgegengesetzt, dieses das Extrem sozusagen

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