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|306| sind, da ist keine Unterbrechung der Reihe möglich. Das Schicksal hingegen, d. h. das rückwirkende Gesetz selbst, kann aufgehoben werden; denn ein Gesetz, das ich selbst aufgestellt habe, eine Trennung, die ich selbst gemacht habe, kann ich auch vernichten. Da Handlung und Rückwirkung eins ist, so versteht es sich von selbst, daß die Rückwirkung nicht einseitig aufgehoben werden kann. Die Strafe ist das Bewußtsein einer fremden Macht, eines Feindseligen; wenn sie ausgewirkt hat unter der Herrschaft des Gesetzes, so ist dieses Gesetz befriedigt, und ich bin befreit von einem Fremden, das von mir abläßt und sich wieder in die drohende Gestalt zurückzieht, das ich aber nicht zum Freunde gemacht habe. Das böse Gewissen ist das Bewußtsein einer bösen Handlung, eines Geschehenen, eines Teils eines Ganzen, über das ich keine Macht habe; eines Geschehenen, das nie, nie ungeschehen gemacht werden kann, denn es war ein Bestimmtes, ein Beschränktes. Das Schicksal ist das Bewußtsein seiner selbst (nicht der Handlung), seiner selbst als eines Ganzen, dies Bewußtsein des Ganzen reflektiert, objektiviert; da dies Ganze ein Lebendiges ist, das sich verletzt hat, so kann es wieder zu seinem Leben, zu der Liebe zurückkehren; sein Bewußtsein wird wieder Glaube an sich selbst, und die Anschauung seiner selbst ist eine andere geworden, und das Schicksal ist versöhnt. Liebe ist aber alsdann Bedürfnis; in sich selbst ist die Ruhe verloren; dies ist die Wunde, die zurückbleibt, die Anschauung seiner selbst als eines Wirklichen; dem die Anschauung seiner als eines Strebenden, das von dieser Wirklichkeit sich entfernt, entgegen ist; weil aber eben hier nur ein Streben ist, so ist es Bedürfnis und mit einer Wehmut verknüpft, die in der Liebe, dem befriedigten Streben, allein wegfällt.
Vergebung der Sünden ist daher nicht Aufhebung der Strafen (denn jede Strafe ist etwas Positives, Objektives, das nicht vernichtet werden kann), nicht Aufhebung des bösen Gewissens, denn keine Tat kann zur Nicht-Tat werden; sondern durch Liebe versöhntes Schicksal. Daher die Regel Jesu: wenn ihr die Fehler vergebt, so sind euch die eurigen vom Vater auch vergeben. Anderen verzeihen kann nur die Aufhebung der Feindschaft, die zurückgekehrte Liebe, und diese ist ganz; die Verzeihung der Fehler kommt aus ihr; diese Verzeihung ist nicht ein Fragment, eine einzelne Handlung. Richtet nicht, daß ihr nicht gerichtet werdet; stellt ihr keine Gesetze auf, denn diese gelten auch für euch. Jesu zuversichtliche Ausdrücke: Dir sind deine Sünden vergeben, wo er Glaube und Liebe fand, wie bei Maria Magdalena. Die Vollmacht, die er seinen Freunden gab, zu binden und zu lösen, wenn er in ihnen den hohen Glauben an ihn (einen Menschen) gefunden hatte; einen Glauben, der die ganze Tiefe der Menschennatur
