Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

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Und doch kann der Mensch diese Angst nicht aushalten; der schrecklichen Wirklichkeit des Bösen und der Unveränderlichkeit des Gesetzes kann er nur zu der Gnade entfliehen, der Druck und Schmerz des bösen Gewissens kann ihn wieder zu einer Unredlichkeit treiben, sich selbst und damit dem Gesetz und der Gerechtigkeit dadurch zu entlaufen zu suchen, er wirft sich dem Handhaber der abstrakten Gerechtigkeit, seine Güte zu erfahren, in den Schoß, von welcher er hofft, daß sie ein Auge bei ihm zudrücken, ihn anders ansehen möchte, als er ist; er selbst leugnet zwar seine Vergehen nicht, aber er tut den unredlichen Wunsch, daß die Güte sich selbst seine Vergehen leugne, und findet Trost in dem Gedanken, in der unwahren Vorstellung, die [ein] anderes Wesen sich von ihm mache. Und so gäbe es keine Rückkehr zur Einigkeit des Bewußtseins auf einem reinen Wege, keine Aufhebung der Strafe, des drohenden Gesetzes und des bösen Gewissens als ein unredliches Betteln; – wenn die Strafe nur als etwas Absolutes angesehen werden muß, wenn sie unter keiner Bedingung stünde und keine Seite hätte, von welcher sie mit ihrer Bedingung eine höhere Sphäre über sich hätte. Gesetz und Strafe kann nicht versöhnt, aber in der Versöhnung des Schicksals aufgehoben werden.

Die Strafe ist Wirkung eines übertretenen Gesetzes, von dem der Mensch sich losgesagt hat, aber von welchem er noch abhängt und welchem, weder der Strafe noch seiner Tat, er nicht entfliehen kann. Denn da [der] Charakter des Gesetzes Allgemeinheit ist, so hat der Verbrecher zwar die Materie des Gesetzes zerbrochen, aber die Form, die Allgemeinheit bleibt, und das Gesetz, über das er Meister geworden zu sein [glaubte], bleibt, erscheint aber seinem Inhalt nach entgegengesetzt, es hat die Gestalt der dem vorigen Gesetz widersprechenden Tat; der Inhalt der Tat hat jetzt die Gestalt der Allgemeinheit und ist Gesetz; diese Verkehrtheit desselben, daß es das Gegenteil dessen wird, was es vorher war, ist die Strafe – indem sich der Mensch

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