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|415| eines positiven Vermögens der Vernunft, die den Körper als lebendig setzt, während sie zu gleicher Zeit ihn für tot annahm; indes den Griechen Leib und Seele in einer lebendigen Gestalt bleibt, in den beiden Extremen hingegen der Tod eine Trennung des Leibes und der Seele ist und in dem einen der Seele der Leib nichts mehr, in dem anderen der Leib ein Bleibendes auch ohne Leben ist. In anderem, wo wir nur mit dem Verstande und Wirkliches oder – welches ebensoviel ist – etwa fremden Geist erkennen, mischen die ersten Christen ihren Geist bei. – In den Schriften der Juden sehen wir vergangene Geschichten, individuelle Lagen und gewesenen Geist der Menschen, in den jüdischen gottesdienstlichen Handlungen befohlenes Tun, dessen Geist, Zweck und Gedanken für uns nicht mehr ist, keine Wahrheit mehr hat; für sie hatte dies alles noch Wahrheit und Geist, aber ihre Wahrheit, ihren Geist, sie ließen es nicht objektiv werden. Der Geist, den sie Stellen der Propheten und anderer jüdischer Bücher geben, ist in ihrem Sinn weder, in Rücksicht auf die Propheten, die Meinung, Voraussagungen von Wirklichkeiten in ihnen zu finden, noch von ihrer Seite die Anwendung auf Wirklichkeit. Es ist ein ungewisses, gestaltloses Schweben zwischen Wirklichkeit und Geist; es ist einerseits in der Wirklichkeit nur der Geist betrachtet, andererseits die Wirklichkeit selbst als solche vorhanden, aber nicht fixiert. Um ein Beispiel anzuführen, bezieht Johannes (12, 14 ff.) auf den Umstand, daß Jesus auf einem Esel nach Jerusalem hineinzog, einen Ausdruck des Propheten, dessen Begeisterung einen solchen Aufzug sah, den Johannes in dem Aufzuge des Jesus seine Wahrheit finden läßt. Die Erweise, daß ähnliche Stellen der jüdischen Bücher teils an sich unrichtig gegen den Wortsinn des Originaltextes angeführt, teils gegen ihren Sinn, den sie durch ihren Zusammenhang erhalten, erklärt seien, teils sich auf ganz andere Wirklichkeiten, den Propheten gleichzeitige Umstände und Menschen beziehen, teils nur isolierte Begeisterung der Propheten seien, – alle diese Erweise treffen nur die Wirklichkeit der Beziehung, die
