Der Geist des Christentums und sein Schicksal (1798–1800)

[S. 309]

|309| und bleibend, ohne Geist, ein Joch, eine Zusammenkettung, eine Herrschaft und Knechtschaft – Tätigkeit und Leiden – Bestimmen und Bestimmtwerden.

Matth. 4, 17: μετανοειτε ἤγγιϰεν γὰϱ ἡ βασιλεία των οὐϱανων. – Dies ist der erste Aufruf und Versicherung, das Himmelreich sei da – und die Folge seines Aufrufs und seiner Kuren [sind] viele Anhänger.

Matth. 5, 17: πληϱωσαι, ergänzen, vollständig machen durch die Gesinnung, durch Hinzufügen des Inneren zum Äußeren. V. 20: Rechtschaffenheit seiner Jünger müsse mehr sein als die der Pharisäer und Gesetzverständigen, es müsse außer dieser auch noch das hinzukommen, daß das Gesetz, dem sie folgen, ihr eigenes sei. Ein anderer Maßstab [wird] entgegengesetzt, die Gesinnung, und nach diesem [werden] leidenschaftliche Handlungen, die in dem Bestehen eines anderen nichts ändern, ebenso verurteilt als die Störung seines für sich bestehenden Lebens, und zum Prinzip Versöhnlichkeit, d. h. Geneigtheit, die Trennung aufzuheben, angegeben.

V. 21-22: Zu dem objektiven Verbot des Mordes wird die Mißbilligung des Zorns über seinen Bruder gefügt, zum Versöhnopfer wirkliche Versöhnung usw. V. 33: Dem, daß nicht falsch geschworen werden soll, dem Herrn der Eid gehalten werden soll, [wird hinzugefügt:] gar nicht schwören bei etwas Fremdem, nicht beim Himmel, denn er ist nur der Thron Gottes usw., nicht bei unserem Haar, das nicht ganz in unserer Gewalt ist, bei nichts Fremdem überhaupt, an dies nichts hängen, sondern wir selbst sein; aber wenn der Mensch nur eins mit sich selbst ist, jede Abhängigkeit, jeden Bund mit den Objekten verschmäht, so muß er doch mit der Not einen Bund machen. 6, 25 ff.: Seid unbekümmert über die Not.

Mit der eigenen Knechtschaft hört auch die Herrschaft, die man durch die Idee der moralischen Gebote über andere ausübt, auf. 7, 1 ff.: eigene Freiheit gesteht anderen gleichfalls Freiheit zu – Sittenrichterei ist der Tod, erkennt nichts für sich Bestehendes nur alles unter einem Gesetz, unter einer Herrschaft stehend nicht das Wesen und das Gesetz eins, in einer Natur. Das Prinzip eures Verhältnisses gegen andere ist, ihre Freiheit zu ehren und, was ihr also von ihnen wollt, darum nur zu bitten.

Jesus charakterisierte als Stifter einer neuen Religion unter einem verdorbenen Volke die Entsagung der Bequemlichkeiten des Lebens, und die gleiche Forderung derselben an seine Gehilfen – auch das Entreißen [aus] sonstigen Verhältnissen und heiligen Beziehungen des Lebens.

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145