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|357| Dienst, dem er entlaufen wollte, wieder aufgenommen und ging vom Altar mit dem Gefühle des mißlungenen Versuchs und der Wiederanerkennung seines knechtischen Joches. Versöhnung in der Liebe ist statt der jüdischen Rückkehr unter Gehorsam eine Befreiung, statt der Wiederanerkennung der Herrschaft die Aufhebung derselben in der Wiederherstellung des lebendigen Bandes, eines Geistes der Liebe, des gegenseitigen Glaubens, eines Geistes, der in Rücksicht auf Herrschaft betrachtet die höchste Freiheit ist; ein Zustand, der das unbegreiflichste Gegenteil des jüdischen Geistes ist.
Nachdem Petrus Jesum als eine göttliche Natur erkannt und dadurch sein Gefühl der ganzen Tiefe des Menschen, daß er einen Menschen als einen Gottessohn fassen konnte, bewiesen hatte, übergab ihm Jesus die Gewalt der Schlüssel des Himmelreichs; was er binden würde, sollte im Himmel gebunden, was er lösen würde, sollte im Himmel auch los sein. Da Petrus einmal das Bewußtsein eines Gottes gehabt hatte, so mußte er in jedem die Göttlichkeit oder Ungöttlichkeit seines Wesens oder sie als Gefühl derselben in einem Dritten, die Stärke des Glaubens oder Unglaubens erkennen können, der ihn von allem bleibenden Schicksal befreite, über die ewige unbewegliche Herrschaft und Gesetze erhöbe oder nicht, er mußte die Gemüter verstehen, ob ihre Taten vergangen sind oder ob sie noch, die Geister derselben, Schuld und Schicksal bestehen, er mußte binden, noch unter der Wirklichkeit des Verbrechens stehend, und lösen, über die Wirklichkeit desselben erhoben erklären können.
Auch ein schönes Beispiel einer wiederkehrenden Sünderin kommt in der Geschichte Jesu vor; die berühmte schöne Sünderin, Maria Magdalena. Es möge nicht übel gedeutet werden, wenn die in Zeit, Ort und anderen Umständen abweichenden Erzählungen, die auf verschiedene Begebenheiten deuten, hier nur als verschiedene Formen derselben Geschichte behandelt werden, da über die Wirklichkeit damit nichts gesprochen sein soll und an unserer Ansicht nichts verändert wird. Die schuldbewußte Maria hört, daß Jesus in
