Jenaer Realphilosophie

[S. 208]

|208| Der Willen ist ein gedoppelter entzweyter geworden, er ist bestimmt; er ist Charakter. Der eine Charakter ist diese Spannung, die Macht der Entgegensetzung des seyenden,50) die aber blind [ist,] kein Bewußtseyn hat, über die Natur dieses Seyn, es ist das offen liegende gerade ausgehende, hinaustreibende, und getriebne; das andre, das Böse, in sich seyende, das unterirrdische, das Wissende über das, was am Tage liegt, und das zusieht wie dieses sich seinen Untergang durch sich selbst [gibt], oder so gegen es thätig ist, daß es seinem Seyn, seiner Selbsterhaltung vielmehr das Negative unterschiebt. – Jenes ist als seyendes, gegen seyendes gerichtet; diß vernünftigerweise als Seyn, mit dem es ihm nicht Ernst ist, – wie ein Mantel dem Stiere dargeboten wird, gegen den er anrennt und nichts treffend getroffen wird. Der Willen hat sich selbst in die zwey Extreme entzweyt, in deren Einem er ganz ist, dem Allgemeinen, wie im Andern dem Einzelnen.51)

50) Am Rande: der Mann hat Begierde, Trieb; der weibliche Trieb ist diß vielmehr nur Gegenstand des Triebes zu seyn; zu reitzen, Trieb zu erwecken, und ihn sich an ihm befriedigen zu lassen.

51) Am Rande: Seine einsame Existenz ist vollendet.

Diese52) Extreme haben sich in Eins zu setzen, das Wissen des letztern in Erkennen

52) Am Rande: erste Einheit der Intelligenz und des Willens d. h. es sind zwey selbstständige Ich füreinander, der erste Schluß des Willens hat sich so verändert, daß das Seyn eines jeden Extrems die Bedeutung von Ich erhalten. – (Seyn ist gerade das Gegentheil des Mangels, aber es ist der Mangel selbst, oder es wird Mangel gefühlt, weil die Extreme sind.) Diese Ich aber, die die Extreme des Schlusses ausmachen sind noch nicht Ganze Totalität; sind sich entgegengesetzt als daß das eine innerlich dieses ist, was das andre aüsserlich. Erst die Gleichgültigkeit ist aufgehoben, und Ich, das Fürsichseyn an seine Stelle getreten. – Erstes Wissen eines selbstständigen Ich von einem selbstständigen Ich; – weil sie Ich, Wissen, sind, ist für sie diese Gleichheit beyder in der Entgegensetzung. α) das Eine in ihm sich selbst gleich, gekehrt gegen das andre; das andre verschließt seine Unruhe, seine Thätigkeit in sich, und verhält sich ruhig, als ob nicht geschehen wäre.

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