Die Positivität der christlichen Religion (1795/96)

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|132| verträglich ist, auch dem anderen nicht anstößig sein könne. Auch wirkt als Grund oder als Vorwand der fromme, aber in diesem Falle eingeschränkte Gedanke dabei, es sei Pflicht, die Ehre Gottes zu befördern, ihm die Art der Anbetung und des Dienstes zu verschaffen, die seiner allein würdig sei, und der Unterlassung solcher positiven Meinungen und Gebräuche als einer Übertretung der heiligsten Pflichten zu steuern, von der einer den Übertreter durch Überzeugung oder Überredung zurückzuführen suchen wird, – welche aber die Spanier in Amerika und noch jetzt ihre heilige Inquisition sich berufen fühlt, zu [be]strafen und diese Verbrechen der beleidigten Majestät der Gottheit durch Mord zu rächen, [und die] die meisten übrigen katholischen und protestantischen Glaubensregierungen [sich berufen fühlen,] durch Ausschließung von bürgerlichen Rechten zu ahnden. Der einzelne wird von seinem positiven Glauben desto fester überzeugt, je mehrere Personen er davon überzeugen kann oder überzeugt sieht; der Glaube an Tugend stützt sich auf das Gefühl ihrer Notwendigkeit, auf das Gefühl, daß sie eins ist mit dem eigensten Selbst; bei jeden positiven Glaubensmeinungen strebt der Gläubige, sein eigenes Gefühl, daß noch Zweifel dagegen möglich sind, [sowie] die Erfahrungen an anderen, in denen diese Zweifel bis zu Gründen der Verwerfung jenes positiven Glaubens sich verstärkt haben, dadurch zu entfernen, daß er so viele als möglich zu der Fahne seines Glaubens zu versammeln sucht, es kommt den Sektengläubigen immer eine Art von Befremdung an, wenn er von Menschen hört, die nicht seines Glaubens sind, – und dies Gefühl von Unbehaglichkeit, das sie ihm verursachen, verwandelt sich sehr leicht in Abneigung, in Haß gegen sie; es ist ein Zug der Vernunft, die sich unvermögend fühlt, den positiven, auf Geschichte gegründeten Lehren den Charakter der Notwendigkeit zu geben, ihnen wenigstens den anderen Charakter der Vernunftwahrheiten, den der Allgemeinheit, so gut [es] sich tut, aufzudrücken oder bei ihnen zu finden; so hat auch unter den sogenannten Beweisen vom

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