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Es ist sehr natürlich zu erwarten, daß die neue Lehre des Jesus, von Judenköpfen aufgenommen, so frei sie für sich und mehr nur polemisch war, in etwas Positives verwandelt werden mußte, daß sie sich daraus, es mochte kommen wie es wollte, etwas, dem sie knechtisch dienen könnten, schaffen würden. Die Religion, die Jesus in sich trug, sieht man, war rein vom Geiste seines Volks; was in seinen Äußerungen vorkommt, das nach Aberglauben schmeckt, z. B. die Herrschaft der Dämonen über die Menschen, ist von einem Teile als entsetzlich unsinnig ausgeschrien [worden], von anderen hat es sollen durch die Begriffe von Akkommodation, Zeitideen u. dgl. gutgemacht werden; was über dergleichen von uns für Aberglauben Anzusehendes gesagt werden muß, ist, daß es nicht zur Religion gehört. Sonst war Jesu Seele frei, unabhängig von Zufälligkeiten, [war] Liebe Gottes und des Nächsten, heilig zu sein, wie Gott es ist, das einzige Notwendige. Diese religiöse Reinheit ist an einem Juden gewiß höchst bewunderungswürdig; seine Nachfolger hingegen sehen wir freilich jüdischen Zufälligkeiten entsagen, aber nicht vom Geist der Abhängigkeit von dergleichen überhaupt gereinigt; sie schaffen sich aus den Reden, aus dem, was Jesus für seine Person widerfahren ist, bald Regeln, Pflichtgebote, und freie Nachahmung ihres Lehrers geht in knechtischen Dienst gegen den Meister über.
Was ist nun das Zufällige, das in der Handlungs- und Sprechart des Jesus vorkommt und fähig war, für sich als Zufälliges, für ein Heiliges genommen und so verehrt zu werden?
Da unsere Absicht nicht ist, zu untersuchen, wie diese oder jene positive Lehre in das Christentum gekommen ist oder welche Veränderungen mit ihr nach und nach vorgegangen sind etc.
