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|204| sie das Christentum, diese Religion, die, allen Bedürfnissen des menschlichen Geistes und Herzens so angemessen, alle Fragen der menschlichen Vernunft so befriedigend beantwortet, die außerdem ihren göttlichen Ursprung noch durch Wunder beglaubigte, annahmen. Dies ist die gewöhnliche Antwort auf jene Frage, und die Ausdrücke: Aufklärung des Verstandes und neue Einsicht u. dgl., die man dabei gebraucht, sind uns so geläufig, daß wir große Dinge dabei zu denken und alles damit erklärt zu haben vermeinen, – und wir stellen uns jene Operation so leicht und die Wirkung so natürlich vor, da es uns ja so leicht ist, einem jeden Kinde begreiflich zu machen, wie ungereimt es ist, zu glauben, daß da oben im Himmel ein solches Rudel von Göttern, als die Heiden glaubten, herumrumorten, essen und trinken, sich herumbalgen und noch andere Dinge treiben, deren sich bei uns jeder gesittete Mensch schämt.
Wer aber nur die einfältige Bemerkung gemacht hat, daß jene Heiden doch auch Verstand hatten, daß sie außerdem in allem, was groß, schön, edel und frei ist, noch so sehr unsere Muster sind, daß wir uns über diese Menschen als ein uns fremdes Geschlecht nur verwundern können, – wer es weiß, daß die Religion, besonders eine Phantasiereligion, nicht durch kalte Schlüsse, die man sich da in der Studierstube vorrechnet, aus dem Herzen, am wenigsten aus dem Herzen und dem ganzen Leben des Volks gerissen wird, – wer es ferner weiß, daß bei der Verbreitung der christlichen Religion eher alles andere als Vernunft und Verstand sind angewendet worden, – wer, statt durch die Wunder den Eingang des Christentums erklärbar zu finden, eher sich die Frage schon aufgeworfen hat: wie muß das Zeitalter beschaffen gewesen sein, daß Wunder, und zwar solche Wunder, als uns die Geschichte erzählt, in demselben möglich wurden -: wer diese Bemerkungen schon gemacht hat, wird die oben aufgeworfene Frage durch jene Antwort noch nicht befriedigt finden.
Das freie Rom, das eine Menge von Staaten, die – in Asien früher, gegen Abend später – ihre Freiheit verloren hatten, sich unterworfen und einige wenige noch freie zerstört hatte – denn diese hätten sich nicht unterjochen lassen -, der Siegerin der Welt blieb allein die Ehre, wenigstens die letzte zu sein, die ihre Freiheit verlor. Die griechische und römische Religion war nur eine Religion für freie Völker, und mit dem Verlust der Freiheit muß auch der Sinn, die Kraft derselben, ihre Angemessenheit für die Menschen verlorengehen. Was sollen einer Armee Kanonen, die ihre Ammunition verschossen hat? Sie muß andere Waffen suchen. Was sollen dem Fischer Netze, wenn der Strom vertrocknet ist?
Als freie Menschen gehorchten sie Gesetzen, die sie sich selbst gegeben,
