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|213| streitig zu machen, zu sein, wie sie sind und wie sie wollen, gut oder schlecht. Frömmigkeit und Sünde sind zwei Begriffe, die den Griechen in diesem Sinne fehlten; jenes ist uns eine Gesinnung, die aus Achtung gegen Gott als Gesetzgeber handelt, dieses eine Handlung, die Gebote, insofern sie göttlich sind, übertritt; ἅγιον, ἀνάγιον, pietas und impietas drückt heilige Empfindungen der Menschheit und Gesinnungen oder Handlungen aus, die denselben angemessen oder zuwider sind; sie nennen sie zugleich auch göttliche Gebote, aber [nehmen] sie nicht im positiven Sinne, und wenn einem die Frage hätte einfallen können, womit er die Göttlichkeit eines Gebots oder Verbots erweisen wollte, so hätte er sich auf kein historisches Faktum, sondern allein auf die Empfindung seines Herzens und die Übereinstimmung aller guten Menschen berufen können.
In der Lage eines Volkes, wenn nach Vertilgung aller politischen Freiheit alles Interesse an einem Staate – denn Interesse können wir nur an etwas nehmen, für das wir tätig sein können – verschwunden ist, und wenn der Zweck des Lebens nur auf Erwerbung des täglichen Brotes mit mehrerer oder wenigerer Bequemlichkeit oder Überfluß und alles Interesse an dem Staate nur auf die Hoffnung, daß seine Erhaltung uns dieses gewähren oder erhalten werde, eingeschränkt und also völlig selbstsüchtig ist, muß sich in den Zügen, die wir im Geiste der Zeit erblicken, notwendig auch Abneigung gegen Kriegsdienste finden, da sie das Gegenteil des allgemeinen Wunsches, eines ruhigen, gleichförmigen Genusses [sind], da sie Beschwerlichkeiten mit sich führen und selbst den Verlust der Möglichkeit, noch etwas zu genießen, den Tod mit sich führen; oder wer dieses letzte Hilfsmittel, sich zu erhalten und seine Begierden zu befriedigen, das ihm Trägheit oder Liederlichkeit oder Langeweile übrigläßt, ergreift, wird im Angesichte des Feindes nur feige sein. In diesem Zustande der Unterdrückung, der politischen Untätigkeit sehen wir bei den Römern eine Menge Menschen, die sich durch Flucht, durch Bestechung, durch Verstümmlung der Glieder dem Kriegsdienste entzogen; und einem Volke mit dieser Stimmung mußte eine Religion willkommen sein, die den herrschenden Geist der Zeiten, die moralische Ohnmacht, die Unehre, mit Füßen getreten zu werden, unter dem Namen des leidenden Gehorsams zur Ehre und zur höchsten Tugend stempelte, durch welche Operation die Menschen mit fröhlicher Verwunderung die Verachtung anderer und das Selbstgefühl eigener Schande in Ruhm und Stolz verwandelt sahen, – eine Religion, die ihnen predigte, Menschenblut zu vergießen sei Sünde. So sehen wir nun den heiligen Ambrosius oder
