Die Positivität der christlichen Religion (1795/96)

[S. 164]

|164| Konstitution in Ansehung des Glaubens entwarf, in allen ihren Handlungen diesem Grundsatz ihres reinen Kirchenrechts mit unwandelbarer Festigkeit getreu geblieben, so kann sie keinem Vorwurfe einer Unrechtmäßigkeit ausgesetzt sein. Die Lehrer aber, die sie gründeten, und die Beamten, die sie sich gab und von denen nachher noch die Rede sein wird, wurden zuweilen versucht, sich nicht bloß als solche Repräsentanten ihrer Gemeinden anzusehen und als solche zu handeln, denen ihre Gemeinde nur die Erklärung ihres Willens aufgetragen habe, sondern ihre Vollmacht als ausgedehnter zu betrachten, daß es von den Gemeinden ihrer Einsicht überlassen sei, untereinander auszumachen, was der Glaube der Kirche sei, – welches sowohl daraus erhellt, daß sehr viele Bestimmungen in den symbolischen Büchern der protestantischen Kirche so beschaffen sind, daß es wegen der dabei vorkommenden Subtilitäten unmöglich ist, daß sie als Meinung durch Beistimmung des ganzen Volks anerkannt angesehen werden können, und nur das Werk spitzfindiger Theologen sind, als auch [daraus: es] ist aus der Geschichte, wie einige dieser Schriften entstanden und als Norm des Glaubens angenommen worden sind, bekannt, daß die Sache meist allein unter den Theologen verhandelt worden ist; wobei nur solche Laien teilnahmen, die als Gewalthabende nötig waren, diesen Büchern die hinlängliche Autorität zu verschaffen und zu sichern. – Zwei Umstände können dabei als Rechtfertigung für die Theologen angeführt werden, [erstens] daß sie den symbolischen Büchern eine gelehrtere Form, manchen ihrer Lehren eine feinere Bestimmung zur Befriedigung ihrer Mitglieder selbst gegen die mit solchen Waffen streitende katholische Kirche geben mußten und daß ihnen der ungelehrtere Teil ihrer Kirche eine solche Behandlung seiner Glaubenslehren übergeben konnte, ohne an seinen unwandelbaren Rechten sich dadurch etwas zu entziehen. Es kann dagegen aber immer noch gesagt werden, daß die Theologen ihre gelehrteren Beweise, ihre spitzfindigeren Unterscheidungen ganz unbeschadet

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