Die Positivität der christlichen Religion (1795/96)

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|139| schuldig [war], und überließ es ihrem Gefühl zu beurteilen, ob am letzteren genug sei. Besonders zeigte er ihnen den Kontrast zwischen dem, was nur die bürgerlichen sowohl als die zu bürgerlichen Gesetzen gewordenen religiösen Gebote, und dem, was Moralität fordere (vorzüglich in der Bergpredigt – das complementum der Gesetze – die moralische Gesinnung); wie wenig die Beobachtung jener Gebote das Wesen der Tugend ausmache – den Geist, aus Achtung für die Pflicht zu handeln, weil sie Pflicht ist, und weil es dann auch göttliches Gebot ist -, d. h. Religion im wahren Sinne des Wortes suchte er ihnen beizubringen. Bei aller ihrer Religiosität konnten sie nur Bürger des jüdischen Staats sein, Bürger des Reiches Gottes waren nur wenige. – Entfesselt von positiven Geboten, die die Stelle der Moralität vertreten sollten, hätte die Vernunft, in Freiheit gesetzt, jetzt ihren eigenen Geboten folgen können, aber zu jung, zu ungeübt, eigenen Gesetzen zu folgen, unbekannt mit dem Genusse selbsterrungener Freiheit warf man ihr wieder ein Joch von Formeln über.

Die ersten Christen, durch den gemeinschaftlichen Glauben verbunden, machten außer diesem Vereinigungspunkt noch eine Gesellschaft aus, deren Mitglieder einander wechselseitig im Fortschritte zum Guten und zum starken Glauben aufmunterten, über Glaubenssachen und sonstige Pflichten unterrichteten, Zweifel auflösten, die Wankenden befestigten, eins das andere auf seine Fehler aufmerksam machte, seine eigenen gestand und seine Reue sowie sein Bekenntnis in den Busen der Gesellschaft ausschüttete, Gehorsam gegen die Gesellschaft und die, denen sie die Oberaufsicht anvertraut hatte, und gegen die Strafen, die sie auflegen mochten, versprach. Mit der Annahme des christlichen Glaubens trat man zugleich in diese Gesellschaft ein, übernahm Pflichten gegen sie und trat ihr Rechte auf sich ab; den christlichen Glauben annehmen und sich nicht zugleich der christlichen Gesellschaft und ihren Ansprüchen auf den Proselyten und jeden Christen unterwerfen, wäre widersprechend gewesen, und sein

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