Die Positivität der christlichen Religion (1795/96)

[S. 182]

|182| Kenntnisse, Empfindungen, auch die Sprüche der Kirche innehaben, in solchen kirchlichen Übungen leben und weben; welche Kraft kann man ihnen zuschreiben, wenn sie doch alles beobachteten und taten, was die Kirche fordert, und doch dabei Bösewichter bleiben und Betrüger obendrein sind?

Einen Vorteil, und zwar einen großen hat der Staat oder vielmehr die Gewalthaber in demselben – denn jener ist dabei zertrümmert – erhalten durch dieses Vorhaben der Kirche, auf die Gesinnungen zu wirken, nämlich eine Herrschaft, einen Despotismus, der nach Unterdrückung aller Freiheit des Willens durch die Geistlichkeit völlig gewonnenes Spiel hat, – bürgerliche und politische Freiheit hat die Kirche als Kot gegen die himmlischen Güter und den Genuß des Lebens verachten gelehrt, und so wie die Entbehrung der Mittel, die physischen Bedürfnisse zu befriedigen, den tierischen Teil des Menschen des Lebens berauben, so bringt auch die Beraubung des Genusses der Freiheit des Geistes der Vernunft den Tod, in welchem Zustand die Menschen den Verlust, [mangelnden] Gebrauch derselben, Sehnsucht nach ihr so wenig fühlen werden, als der tote Körper sich nach Speise und Trank sehnt. – So ist durch den Versuch Jesu, seine Nation auf den Geist und die Gesinnung aufmerksam zu machen, der bei der Beobachtung ihrer Gesetze lebendig sein müsse, um gottgefällig zu werden, durch diesen Versuch ist unter dem Regiment der Kirche dieses complementum der Gesetze wieder zu Regeln und Ordnungen geworden, die immer wieder eines solchen complementi bedürfen; und dieser Versuch der Kirche ist wieder fehlgeschlagen; denn der Geist, die Gesinnung ist ein zu ätherisches Wesen, als daß er sich in gebietenden Buchstaben und Formeln festhalten oder in gebotenen Empfindungen und Gemütszuständen darstellen ließe.

Ein anderer Übelstand, der notwendig hieraus floß, ist der, daß diese Empfindungen, die im Laufe des Besserwerdens vorkommen sollen, und die Handlungen, die als Ausdrücke solcher Empfindungen angesehen werden – Abendmahl,

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