Die Positivität der christlichen Religion (1795/96)

[S. 118]

|118| wie ein entfesselter Sklave kein Gesetz mehr kennt, denn das Gesetz, dessen Joch er trug, hatte nicht er, [seine Vernunft] sich gegeben2), denn diese konnte er nicht als eine freie, als eine Herrin, sondern mußte sie nach dem geläufigen Ausdruck als eine Magd ansehen, und bei seinen Neigungen bleibt ihr jetzt nur dies Amt übrig. Daß dieser Weg von der Geschichte der Wunder aus zum Glauben an eine Person, von diesem Glauben, wenn es gut geht, zur Sittlichkeit die durch Symbole befohlene Landstraße sei, ist so bekannt, als es erwiesen ist, daß die eigentümliche Grundlage der Tugend in der Vernunft des Menschen liegt und daß der Rang der menschlichen Natur, die Stufe der Vollkommenheit, die von ihr gefordert wird, höher zu setzen ist als auf den Standpunkt der Unmündigkeit, auf dem sie ewig eines Vormunds bedürfen soll und nie in den Stand der Männlichkeit zu treten vermöge.

2) Fußnote Hegels. Daher Verlassen einer bloß positiven Religion so häufig Sittenlosigkeit im Gefolge hat, wenn der Glaube bloß ein positiver Glaube war; die Schuld des positiven Glaubens unmittelbar, nicht des Verlassens desselben –

Ein kleines Ziel zu stecken usw.

Jesus erhob seine Religionslehre nicht selbst zu einer eigentümlichen, sich durch eigene Gebräuche unterscheidenden Sekte, es kam auf den Eifer seiner Freunde und auf die Art, mit welcher diese seine Lehre aufgefaßt hatten, an, in was für einer Gestalt, mit welchen Ansprüchen sie dieselbe weiter verkündigen, auf was für Gründe sie dieselbe stützen würden. Es ist hier also die Frage, was trugen teils der Charakter und die Talente der Jünger Jesu, teils die Art ihrer Verbindung mit ihrem Lehrer bei, die Lehre Jesu zu einer positiven Sekte zu machen.

Positives von seinen Jüngern

Sowenig Spezielles uns von dem Charakter der meisten Schüler Jesu bekannt ist, so scheint doch soviel gewiß zu sein,

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