Die Positivität der christlichen Religion (1795/96)

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|142| Staates, um sein Richteramt zu versehen – das Richteramt beider war ganz verschieden -, eher suchte sie einen Verbrecher gegen bürgerliche Gesetze dem Arm des Richters oft zu entziehen, wenn er im Geiste der Sekte gehandelt hatte.

Zu einem ähnlichen Zweck und durch ähnliche Mittel, nämlich Moralität durch wechselseitige Aufmunterung, Ermahnung, Belohnung zu befördern, kann sich unbeschadet der Rechte eines jeden und der Rechte des Staats eine kleine Gesellschaft von Menschen verbinden. Achtung gegen die moralischen Eigenschaften des Freundes, Zuversicht in seine Liebe gegen mich müssen mir Zutrauen gegen ihn erweckt haben, um versichert zu sein, daß ich bei der Beschämung, mit der ich meine Fehler bekenne, nicht verächtliche Aufnahme, nicht ein erbitterndes Lächeln, bei dem Vertrauen, mit dem ich meine Geheimnisse in seinen Schoß niederlege, nicht Verräterei zu befürchten habe, und daß bei seinem Rate zum Guten, zu meinem Besten Interesse an meinem Wohl und Achtung für das, was recht ist, noch höher als mein Nutzen, seine Triebfeder sei; mit einem Worte, es müssen Freunde sein, unter denen eine solche Vereinigung möglich ist. Schon diese Bedingung schränkt eine solche Gesellschaft auf wenige ein; dehnt sie sich aus, so werde ich genötigt, Menschen, deren Neigung gegen mich ich nicht kenne, zu Zeugen meiner Beschämung, von deren Klugheit ich keine Erfahrung habe, zu meinen Ratgebern, deren Tugend ich noch nicht achten kann, zu Leitern in meinen Pflichten anzunehmen; eine Forderung, die unbillig ist. In einer solchen Gesellschaft kann ich Gehorsam nur insoweit geloben und sie kann ihn nur von mir fordern, wenn sie mich von einer Handlungsart überzeugt hat, daß sie Pflicht ist; ich kann ihr nur Glauben versprechen und sie kann ihn nur fordern, wenn ich selbst über die Gründe der Wahrheit mit mir einig geworden bin. – Ich kann eine solche Gesellschaft verlassen, wenn ich ihrer nicht mehr zu bedürfen, wenn ich mündig geworden zu sein glaube oder wenn sie mir so beschaffen scheint, daß ich ihr mein Zutrauen nicht mehr

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