[S. 105]
|105| vieler Menschen ist, so hat man sehr Ursache, mit der Milde zufrieden zu sein, wenn man wegen der Verblendung, manches nicht in dem gleich hellen Lichte der Wichtigkeit und unantastbaren Ehrwürdigkeit anzusehen, bloß bemitleidet wird.
Ein Glaubensbekenntnis, an die Spitze dieser Abhandlung gestellt, würde daher auch kein Auskunftsmittel sein, sich befriedigend zu erklären, und da es gegen den Zweck dieser Abhandlung sein würde, fruchtbar für die Sache selbst die Gründe darzulegen und den Inhalt derselben hinlänglich zu rechtfertigen, so müßte eine solche trockene Skizze eher die Meinung erregen, als ob der Verfasser seine individuelle Überzeugung für etwas Wichtiges ansähe und seine Person bei dem Ganzen in Betrachtung käme. Ganz allein in bezug auf die Sache selbst wird hier bemerkt, daß überall der Grundsatz zum Fundament aller Urteile über die verschiedene Gestalt, Modifikationen und Geist der christlichen Religion gelegt worden sei, daß der Zweck und das Wesen aller wahren Religion und auch unserer Religion Moralität der Menschen sei, und daß alle spezielleren Lehren der Religion des Christentums, alle Mittel, dieselbe auszubreiten, alle Pflichten, zu meinen und sonst an sich willkürliche Handlungen zu beobachten, nach ihrer näheren oder entfernteren Verbindung mit jenem Zwecke in Ansehung ihres Werts und ihrer Heiligkeit geschätzt werden. –
Zustand der jüdischen Religion – Jesus
Der traurige Zustand der jüdischen Nation – einer Nation, die ihre Gesetzgebung von der höchsten Weisheit selbst ableitete und deren Geist nun unter einer Last statutarischer Gebote zu Boden gedrückt war, die pedantisch jeder gleichgültigen Handlung des täglichen Lebens eine Regel vorschrieben und der ganzen Nation das Ansehen eines Mönchsordens gaben, so wie sie das Heiligste, den Dienst Gottes und der Tugend in toten Formularen geordnet und eingezwängt
