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|186| wird, im Handel und Wandel der gewöhnliche, sonntags aber oder unter seinen Brüdern oder vor seinem Gebetbuch ganz ein andrer ist; es ist oft zu hart, einen solchen Charakter der eigentlichen Heuchelei zu beschuldigen; zu dieser gehört das Bewußtsein des Widerspruchs zwischen den Beweggründen der Handlungen und dem Schilde, den man dabei aushängt; bei jenem fehlt dieses Bewußtsein hingegen sehr, und der Mensch hat schlechterdings keine Einheit; kommen diese beiden Arten von Gesinnungen wirklich in Kollision, und die fleischliche hat, wie dies sehr gewöhnlich zu sein pflegt, die Oberhand, so kann es dieser unter der ungeheuren Menge von moralischen und asketischen Geboten unmöglich an einem fehlen, mit dem das Vergehen in Beziehung gesetzt werden und dem Handelnden selbst unter diesem Überzug in einer lobenswürdigen Gestalt erscheinen kann. Am weitesten sind diese Spitzfindigkeiten bei den Katholiken getrieben; die lutherische Kirche hat von dem Äußeren besonders das meiste weggeworfen, aber ein System von Empfindungssatzungen und Regeln aufgestellt, das am konsequentesten von den Pietisten behauptet und geübt wird, denn ob diese schon nur eine Sekte dieser Kirche zu sein scheinen, so kann man doch nicht sagen, daß sie in ihrem Glaubens- oder Moralsystem von den Satzungen ihrer Kirche in etwas abgewichen sei, im Gegenteil scheint sie derselben System nur genauer auszudrücken, und wenn sie von dem größten Teil der Lutheraner sich auszuzeichnen scheinen, so kommt es daher, daß bei diesen die Natur und der gesunde Menschenverstand die Angemessenheit ihres Lebens und ihrer Gefühle zu ihrem Systeme hindert. Am meisten scheinen im ganzen die Reformierten Moral zur Hauptsache zu machen und die Asketik zu vernachlässigen.
Notwendigkeit der Entstehung von Sekten
Querverweis: Zur Duldung von Sekten durch einen in sich starken Staat vgl. die Anmerkung zu § 270 und Hegels Fußnote dort.
Bei diesem Vorhaben der verschiedenen christlichen Kirchen, teils durch öffentliche Statuten und Satzungen, teils durch
