Die Positivität der christlichen Religion (1795/96)

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|124| gesetzt wurden; und, was sonst ein widersprechender Begriff ist, die Religion Jesu wurde zu einer positiven Tugendlehre. Daß nun die Lehre Jesu nicht bloß sich nur von dem öffentlichen Glauben unterschied und denselben für gleichgültig hielt und also nur eine philosophische Schule bildete, sondern diesen öffentlichen Glauben und die Befolgung seiner Gebote und Gebräuche auch für sündlich hielt und den letzten Endzweck des Menschen nur als durch ihre Gebote, die teils in Tugendgeboten, teils in positiven Glaubensmeinungen und Zeremonien bestanden, erreichbar vorstellte, – daß die Lehre Christi also zu einem positiven Sektenglauben wurde, daraus entwickelten sich für ihre äußere Form sowohl als für ihren Inhalt die wichtigsten Folgen, die sie von dem, was man anfängt, für das Wesen jeder wahren und auch der christlichen Religion zu halten, von der Bestimmung, die Pflichten des Menschen und die Triebfedern zu denselben in ihrer Reinheit aufzustellen und die Möglichkeit des höchsten Gutes durch die Idee von Gott zu zeigen, immer mehr und mehr abgebracht haben.

Was anwendbar in einer Gesellschaft ist, ist ungerecht in einem Staate

Einer Sekte, die die Tugendgebote als positive Gebote betrachtet und damit noch andere positive Gebote verbindet, kleben Eigentümlichkeiten an, die einer bloß philosophischen Sekte (d. h. deren Gegenstand zwar auch religiöse Lehren sind, die aber keinen anderen Richter als die Vernunft anerkennt) ganz fremd sind, die zwar bei einer kleinen Gesellschaft von Sektengläubigen angemessen, erlaubt und für sie zweckmäßig sind, die aber, sobald die Gesellschaft, ihr Glauben ausgebreiteter, ja allgemein in einem Staate wird, teils nicht mehr angemessen bleiben oder, wenn sie doch beibehalten werden, einen anderen Sinn bekommen, teils wirklich ungerecht und unterdrückend werden. Bloß aus dem Grunde, daß auch die Anzahl der Christen sich mehrte, zuletzt alle

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